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Kann ich mich jetzt bitte nackt ausziehen?”

Foto: privat

frage ich und fange schon mal an, mich aus dem engen Minirock und dem unbe­que­men BH zu schälen. Das war das, was er sich gewün­scht hat­te, als er schrieb, er würde sich ins Auto set­zten und auf den Weg zu mir machen. “Hast du einen durch­sichti­gen String?” hat­te er noch gefragt und ein zerknirscht­es “Ich bin bil­lig.” hin­ter­hergeschickt.

Nein, bil­lig ist er nicht und ich bin auch nicht froh, ihn los zu sein, aber das ist eine andere Geschichte. Er ist ein­fach ein­er von den Män­nern, die es gewöh­nt sind, sich durch visuelle Reize zu erre­gen. Ein­er von denen, die auf die Frage “Was magst du?” mit einem schiefen Lächeln und der Beze­ich­nung für irgen­dein Klei­dungsstück antworten, weil sie viel mehr nicht wis­sen über sich und ihren Kör­p­er.

Nun mag ich in Punk­to Reizwäsche ungewöhn­lich resistent sein, mein let­zter Ver­such endete in einem komö­di­antis­chen Post auf meinem face­book-Pro­fil und ein­er gigan­tis­chen Retoure:


Neulich Abend fis­chte ich ein Klei­dungsstück, das „Nég­ligé mit Super-Push-up“ heißt, aus einem Paket.

Die Anprobe stellte mich vor uner­wartete Her­aus­forderun­gen, da zwar der A‑förmig geschnit­tene untere Teil aus einem dehn­baren, trans­par­enten Mate­r­i­al bestand, dieser jedoch unmit­tel­bar unter der Brust mit ein­er engen, spitzen­durch­set­zten, frag­il wirk­enden Bor­düre anset­zte. Bei näher­er Betra­ch­tung ent­deck­te ich auf der Rück­seite des Oberteiles einen Hak­en­ver­schluss, der es mir ermöglichte, es über meinen Oberkör­p­er zu streifen. 

Die näch­ste Hürde bestand darin, meine Ober­weite in den Cups unterzubrin­gen, denn diese waren mit halb­mond­för­mig ange­ord­neten, konkav gewölbten Pol­stern verse­hen, so dass von dem, was eigentlich hineinge­hört, kaum noch etwas rein­passte. Entschlossen, nicht aufzugeben, schob und zog ich so lange, bis zumin­d­est essen­zielle Teile von der Stick­erei bedeckt wur­den. Jed­er mein­er Atemzüge dro­hte, dieses Werk zunichte zu machen, aber immer­hin war es mir gelun­gen, das Teil so anzuziehen, dass es der Foto­strecke im Inter­net-Shop ähnelte. 

Ich schaute an mir herunter. Meine Brüste waren mir so nah, dass ich von ihnen hätte essen kön­nen und unten schien es zu kurz zu sein, es reichte nur bis zur Hüfte. Ich prüfte, ob ich irgen­dein Detail überse­hen hat­te, aber nein, das gehörte wohl alles so. Na gut. 
Als ich mich vor dem Spiegel hin und her drehte, fiel mir der offene Hak­en­ver­schluss auf. Bei dem Ver­such, ihn hin­ter meinem Rück­en zu schließen, rutschte vorne wieder was raus und die Spaghet­ti­ni-Träger ächzten beden­klich. 

Endlich war auch dies voll­bracht und während ich ein paar vor­sichtige Atemzüge wagte und über­legte, was ich von mein­er unge­wohn­ten Sil­hou­ette hielt, schallte eine helle Kinder­stimme durch das Haus: „Mama, kommst du mal schnell?!“ Jet­zt hätte ich eine Zofe gebraucht, denn das Ensem­ble aus steifen Pol­stern und zarter Spitze auf dem­sel­ben Wege auszuziehen, auf dem ich es ange­zo­gen hat­te, erwies sich als unmöglich. Angetrieben von den eskalieren­den Rufen aus dem Untergeschoss, raffte ich es kurzentschlossen mit bei­den Hän­den zusam­men und zog es mit einem Ruck nach unten.

Das Nég­ligé nahm diese grobe Geste mit Gelassen­heit und bewahrte die Form. Vielle­icht sollte ich es behal­ten.”


Ich bin ein Kind der 68er.

Foto: pri­vat

Im Kinder­laden haben wir uns nackt auf große Papier­bah­nen gelegt und mit Fin­ger­far­ben aus­ge­malt. Mein Faible fürs Ausziehen ist leg­endär und fand seinen Höhep­unkt auf der Bühne des Ernst Deutsch The­aters, wo ich mich bei der Wei­h­nachts­feier der Fir­ma meines Vaters am Ende der Vorstel­lung zwis­chen den her­aus­geputzten Kindern sein­er Kol­le­gen mein­er Klei­der entledigte. Ich war fünf Jahre alt und mir war heiß. So what?


Function follows form oder form follows function?

Die große Bühne habe ich seit­dem gemieden, dafür bei meinen Aus­bil­dun­gen in tantrisch­er Kör­per­ar­beit und Sex­u­alther­a­pie sowie in mein­er sex­ol­o­gis­chen Prax­is tiefe Blicke hin­ter die Kulis­sen gewor­fen. Ich kann also sagen, dass mein ein­gangs geschildertes Erleb­nis mehr ist als eine per­sön­liche Anek­dote. Viele Men­schen gehen an das The­ma Kör­per­lichkeit nach der Formel “Die Funk­tion fol­gt der Form” her­an, was in diesem Kon­text so viel bedeutet wie “Wenn die äußere Form stimmt, werde ich tollen Sex haben”. In Pro­dukt-Design und Architek­tur gilt allerd­ings die Formel “Form fol­gt Funk­tion” und das leuchtet sofort ein, denn wer möchte zum Beispiel in einem Haus wohnen, das eine atem­ber­aubende Fas­sade, aber wed­er Türen noch Fen­ster hat.

Und dabei habe ich ihr doch so schöne Wäsche gekauft…!”

Sex­u­al­ität hat viele Funk­tio­nen und die Def­i­n­i­tion von “tollem Sex” ist indi­vidu­ell. Als gesichert gilt aber die Erken­nt­nis, dass der Schlüs­sel zu ein­er lebenslan­gen, erfüll­ten Sex­u­al­ität in der Fähigkeit liegt, den eige­nen Kör­p­er gut spüren und lustvoll erleben zu kön­nen. Diese Fähigkeit hat den enor­men Charme, uns unab­hängig zu machen von Kör­per­bildern, äußeren Reizen und ide­alen Sex­u­al­part­nern. Auf einem mein­er Work­shops zeigte sich ein Mann neulich irri­tiert davon, dass seine Frau immer noch keinen Spaß am Sex hätte, obwohl er ihr doch so teure Unter­wäsche gekauft habe. Der direk­te Zusam­men­hang zwis­chen dem kör­per­lichen Lus­ter­leben ein­er Frau und ihren Dessous ist gle­ich Null. Wenn sie mehr Lust empfind­en möchte, sind Übun­gen zur Steigerung der eige­nen Kör­per­präsenz und ‑wahrnehmung deut­lich wirk­samer. Es spricht nichts dage­gen, dass sie schöne Dessous anzieht, wenn sie sich darin wohl fühlt, aber ihr Kör­perge­fühl wird dadurch nicht nach­haltig bee­in­flusst. Was sich verän­dert, ist vielle­icht die Reak­tion, die sie damit bei ihrem Part­ner oder ihrer Part­ner­in her­vor­ruft. Ide­al­er­weise wirkt diese (pos­i­tive) Reak­tion dann auf sie zurück, sie fühlt sich sexy, begehrenswert, selb­st­sich­er und dadurch auch lustvoller. Vielle­icht.

Dieser Weg zu ihrer eige­nen Lust ist ein indi­rek­ter, sie ist abhängig von der Reak­tion des Gegenübers. Sollte diese Reak­tion nicht so aus­fall­en wie erhofft, bricht diese Strate­gie in sich zusam­men. Wenn sie nur diesen einen Weg zur Lust hat und ken­nt, wird sie entwed­er dem Ausse­hen ihres Kör­pers oder ihrem Gegenüber die Schuld dafür geben, wenn sie keinen Spaß am Sex hat. Bei­des geht am The­ma vor­bei. Wenn ich mich sel­ber und mein Gegenüber gut spüren und lustvoll erleben kann, ist es egal, ob wir — gemessen an irgendwelchen Nor­men — ide­al­typ­isch ausse­hen und agieren.

Für Männer gilt das übrigens genauso

Auf lange Sicht ist es sin­nvoll, den eige­nen Kör­p­er gut zu ken­nen, mit der Erre­gung spie­len und sie steuern zu kön­nen und so eine bre­ite kör­per­liche Basis für die Lust mit sich und anderen zu haben. Das macht einen Mann sex­uell selb­st­sich­er und autark von visuellen Reizen. Und das fühlt sich richtig gut an, für ihn und für mich.

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