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Cornelia Lütge hat mich für das Blog "Ohfamoos" interviewt und einen sehr persönlichen Text über mich verfasst:

Sexualität: Was hat „Liebe machen“ mit Gesundheit zu tun?

SEX. Alle machen’s. Mehr oder weniger jedenfalls. Er wird propagiert oder überbewertet. Pervertiert oder verniedlicht. Er ist sündhaft teuer bis auffällig billig. Und wer zur Qualität nix beizutragen hat, brüstet sich mit Quantität. Oh ja, so viele Klischees, mit denen Frauen und Männer zu kämpfen haben. Dabei dient eine erfüllende Sexualität laut WHO ganz offiziell unserer Gesundheit. Urquell unseres Lebens also – dessen wahre Freuden wir alle lernen können!

Eher zufällig finde ich Hanna Krohn, Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität, in einer meiner Lieblingsgruppen im Netz. Ich bin neugierig, lese mich durch Ihre Internetseiten (etwas staunend, ich gebe es zu). Und dies auf ihrer „Über mich“-Seite:

"Die Erforschung meiner Sexualität hat mich auf direktem Weg zu mir selber geführt, so wie es keine der Therapien, die ich bis dahin durchlaufen hatte, vermocht hatte. Ich konnte endlich ganz und gar „Ja“ sagen zur mir. Ich bin ein anderer Mensch geworden, eine andere Frau und auch eine andere Mutter. Ich habe angefangen, die zu werden, als die ich geboren wurde, aber die ich mich nie getraut habe zu sein."

Wow, denke ich. Sie traut sich was. Hebt das Thema Sexualität auf eine leuchtende Bühne. Es gibt ja viel sexy-hexy-turbo-oder-eso-mässiges Getue, stelle ich bei meiner Recherche fest. Bei Hanna Krohn ist es völlig anders: Ihr geht es um Begegnung mit sich selbst. Und um Selbstermächtigung. Also treffe ich sie vor den Toren Hamburgs in ihrer wunderschönen „Praxis“, die Teil eines ganz tollen Wohnprojektes ist. Und begreife.

Was ist gute Sexualität?

Ganz klar: Es gibt keine Messlatte! Sexualität sollte einfach selbstbestimmt und frei von Scham- und Schuldgefühlen stattfinden können. „In fast jedem Vorgespräch, das ich mit meinen Klientinnen führe, wird geweint. Schuld und Scham ist ein riesiges Thema!“, erzählt Hanna. Ich merke, wie leid es ihr tut und dass sie fast empört darüber ist, was Frauen erleben. Eine Frau könne einem Mann sexuell erst dann selbstbestimmt begegnen, wenn sie sich selber wirklich kennt, meint sie weiter. „Frauen erwarten von Männern, dass sie die richtigen Knöpfe verstehen zu drücken! So haben sie das gelernt. Aber die wissen das ja auch nicht!“

Überhaupt seien Frauen und Männer mit dieser gegenseitigen Erwartungshaltung und diesem Leistungsgedanken „im Bett“ total überfordert. Die Frage macht also Sinn: Wie könnte ich meinem Mann/meiner Frau sagen, was ich mag, wenn ich es a) selber nicht wirklich-wirklich weiß und es b) nicht gut sagen kann?!

„Sprache ist echt ein Thema in der Sexualität. Menschen finden so schwer Wörter für ihre Gefühle und Bedürfnisse!“

So können manche Klientinnen während einer Intim-Massage wohl sagen, dass sie z. B. nicht besonders viel spüren. Aber was sie fühlen und was (nicht) passieren darf oder sollte, damit das Gefühl intensiviert wird, dafür fehlt die Sprache. Oder besser: Der Mut, zu sprechen!

Wenn zwei Menschen miteinander Sex haben, dann geschieht das meistens absichtsvoll. „Da wird immer erwartet, dass die Post abgehen muss“, erzählt Hanna und weiter „so haben wir auch das gelernt! Sex mit dem Ziel des Höhepunktes. Tiefe, tiefe Lust entsteht, wenn wir uns hingeben und frei von Absichten und Erwartungen fühlen und spüren. Uns selbst sowie einander entdecken und finden.“

Sexualität ist Lebensenergie

Sexualität ist viel mehr als körperliche Lust. Sexualität ist Lebensenergie! „Entdeckt eine Frau erst ihre Kraft im Becken, macht sich frei von Schuld und Scham und hat stattdessen einen liebevollen Blick auf sich, dann mobilisiert sie ihr Potenzial!“, sagt Hanna. Sie spricht aus eigener Erfahrung und geht offen und selbstverständlich damit um. Möchte Mut machen, voran schreiten. „Frauen sind nicht mehr beherrschbar, wenn sie ihre Urkraft entdeckt haben!“

Sie wirkt aufrichtig bestürzt darüber, wie sehr ein „schlechtes“ sexuelles Selbstbild die Lebensqualität und Gesundheit von Frauen beeinträchtigt. Sexuelle Gesundheit ist untrennbar mit Gesundheit insgesamt, mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden, so definiert es die WHO. Für viele Frauen scheint die Erkenntnis gereift, das Bedürfnis sehr groß und die innere Not drängend zu sein. Sie wollen etwas verändern. „Ich konnte es fast nicht glauben: Vom Moment an, da ich meine Internet-Seiten frei schaltete, fanden die Frauen mich. Sie kommen aus ganz Deutschland angereist. Ich mache genau das, was ich will. Was ich gut kann und ganz, ganz wichtig finde!“, strahlt sie mich zufrieden an.

Hinschauen, anfassen, massieren

Bei Tantra-Massagen geht es um Entspannung, Lust, Sinnlichkeit und eine andere Erfahrung mit genitaler Berührung. Die Frauen-Massage geht es einen großen Schritt weiter in Richtung Sexualcoaching und Prozessbegleitung. Sie ist spezialisierter und tiefgreifender. Authentische Gefühle und innere Wahrheiten spielen dabei eine Rolle. Und Frauen beizubringen, sich selbst zu entdecken, zu verstehen und für sich einstehen zu können. Die sogenannten Spiegelsitzungen sind dafür ein sehr gelingender Auftakt: Sie trifft sich mit einer Frau und gemeinsam betrachten sie ganz in Ruhe vor einem Spiegel ihre Yoni (der tantrische Begriff für die weiblichen Genitalien). „Weißt du, bei den Vorgesprächen, hier am Tisch, angezogen und mit Tee, frage ich die Frauen ‚Was fällt dir zu deiner Yoni ein?‘ Und oft höre ich so etwas wie ‚schmutzig‘,‚alt‘, ‚ekelig‘ oder ‚unschön‘. Wie kann ein freies, tiefes, schönes Lebensgefühl entstehen, wenn das das Ausgangsbild ist?!“ Sexualität, erzählt Hanna weiter, kommt erst im zweiten Schritt hinzu. Sie ist ein Ausdruck von Lebensgefühl und -qualität.

So wundert es mich nicht, als sie ganz beiläufig davon berichtet, wie sie mit ihrer 9-jährigen Tochter eine Spiegelsitzung gemacht hat. Und als Mutter zweier Töchter denke ich: Ja, das macht Sinn! Ihre Mission ist überzeugend, ihr Weg sehr beeindruckend. Und ihre Dienste, von der Tantra-Massage über Spiegelsitzungen bis zu Sexualberatung, haben völlig zu Unrecht dieses, wie sie es selbst nennt, Schmuddel-Image! Bei den wenigsten Massagen, die Hanna gibt, geht es übrigens um den Höhepunkt. Viel mehr geht es ihren Klientinnen um Selbsterfahrung. Wenn sich ihre Lust zeigen sollte, dann ist sie willkommen.

Können wir Liebe machen lernen?

Absolut! Genau darum geht es Hanna Krohn.

"Niemand kommt auf die Welt und weiß, wie Liebe machen geht."

Schon gar nicht die erfüllende. Oder was eine gute Sexualität, die der Gesunderhaltung dient, braucht. „Wenn wir das einmal begriffen haben, dann gehen wir anders an die Sache ran. Holen uns Hilfe, so wie wir zum Berufs- oder Ernährungsberater gehen“, beobachtet sie. Mit ihrer aktuellen sexualtherapeutischen Fortbildung nach der Methode Sexocorporel erweitert sie ihre Kompetenzen und bringt ihre Dienste rund um weibliche Sexualität auf den Punkt. Dass immer mehr Menschen entdeckt haben, wie sehr eine freie und selbstbestimmte Sexualität zu einem guten Leben beitragen, zeigt die Erfolgsserie „MAKE LOVE. LIEBE MACHEN KANN MAN LERNEN“ von und mit Ann-Marlene Henning. Die Hamburger Sexologin ist Hannas „Vorbild“. „Sie macht alle Fragen rund um die Sexualität salonfähig. Sie nimmt Frauen – und Männern – ihren Scham und ihre Schuldgefühle. Die Menschen entdecken spielerisch ihre Sexualität. Und es macht sie glücklicher. Ist das nicht großartig?!“

Ich habe Hanna Krohn als außerordentlich emphatische, aufmerksame, sichere und wachsame Frau kennengelernt. Ihre Praxis im Hamburger Nordosten ist mit sehr viel Gespür für die Bedürfnisse ihrer Klientinnen hergerichtet. Dort taucht man weg, wird eingeladen so zu sein, wie man ist. Mein anfängliches, unsicheres Staunen beim Lesen ihrer Internetseiten ist gewichen. Einer Klarheit für die wundervollen und bedeutsamen Dienste einer Sexologin.

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Ein Online-Erotikmagazin hat mich interviewt. Ich habe ja etwas Schwierigkeiten mit dem Wort "Erotik" im Zusammenhang mit meiner Arbeit, aber in einer Reihe mit Pamela Behnke, Erika Lust und Andro zu stehen, hat mich dann doch gereizt. Aber seht selbst:

"Wenn unser eigenes Empfinden und Erleben unter Schichten von Unwissen, Scham, Schuldgefühlen, seelischen Erschütterungen, Sprachlosigkeit und Leistungsdruck verborgen liegt, findet Sexualität vor allem im Kopf statt, in der Vorstellung davon, wie sie sein sollte, was normal und richtig oder was schlecht und falsch ist.
Doch der Weg zu erfüllter Sexualität führt genau anders herum - von innen nach aussen. Denn so wie das, was du über dich und deine Sexualität denkst und was du bisher erlebt hast, dein körperliches Erleben begrenzt, so kannst du deinem Körper auch neue Erfahrungen ermöglichen und durch regelmässige Praxis dein körperliches und emotionales Empfinden verändern. Auf diese Weise wirst du nicht das auf Hochglanz polierte und optimierte Abziehbild einer Frau, sondern du entfaltest nach und nach dein ganz eigenes weibliches Selbst."

Diese Worte stammen von Hanna Krohn. Sie arbeitet als Gesundheitspraktikerin für Sexualität.

Erotikmedien.info hat sich mit Hanna Krohn unterhalten:

Hanna Krohn, wer sind Sie?

Ich bin 1968 geboren und Mutter von drei Kindern im Alter zwischen 21 und 9 Jahren. Nachdem ich Politik und Volkswirtschaft studiert hatte habe ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus gearbeitet. Mit meinen Kindern wohne ich in einem großen Dorfprojekt am Rand von Hamburg und habe mir dort Ende letzten Jahres Praxisräume eingerichtet, um meine Arbeit selbstbestimmt ausüben und mit meinem Familienleben vereinbaren zu können.

Sie nennen sich «Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität». Was dürfen wir uns darunter vorstellen und was hat Sie zu dieser Tätigkeit inspiriert?

Die Berufsbezeichnung «Gesundheitspraktikerin für Sexualität» stammt vom Berufsverband für Gesundheitspraktiker (BfG), der wiederum der Deutschen Gesellschaft für Alternative Medizin (DGAM) angehört. Mein Angebot umfasst Frauenmassagen, Sexualcoachings, Beratungsgespräche, Vorträge, Workshops und Seminare, außerdem schreibe ich für verschiedene Formate. Ich habe mich auf weibliche Sexualität spezialisiert, Beratungsgespräche und Berührungscoachings biete ich aber auch für Paare und Männer an.

Meine ursächliche Inspirationsquelle war Ann-Marlene Henning. Vor einigen Jahren entdeckte ich ihr Video-Blog und verfolgte dann, auf welch vielfältige und sympathische Weise sie Sexualität thematisiert und Menschen bei ihrer Entwicklung unterstützt. Damals (Anfang vierzig) steckte ich tief in einer Depression. Während mir mein Alltag als Hausfrau und Mutter entglitt und ich in einen Burnout stürzte, kreisten meine Gedanken unablässig um das Thema Sexualität. «Wie absurd! Ich habe doch wahrhaftig Wichtigeres zu tun!» dachte ich. Aber als es mir wieder besser ging fing ich an, nach einem Beruf Ausschau zu halten, in dem ich meine verschütteten und versprengten Fähigkeiten sinnvoll einsetzen könnte. Plötzlich erkannte ich, dass ich am allerliebsten genau den Beruf hätte, den diese Frau sich selber kreiert hatte und begab mich auf die Suche nach einem Weg dorthin.

So entdeckte ich die Tantramassage TMV als Möglichkeit zum Quereinstieg, machte mein Zertifikat bei TantraConnection und bald darauf die «Perlentor»-Ausbildung in Frauenmassage und Sexualcoaching bei Nhanga Grunow als weiteren Schritt in Richtung darauf, Frauen bei einer selbstbestimmten Sexualität unterstützen zu können.

Inzwischen bin ich dabei, den Basislehrgang Sexocorporel abzuschließen, eine sexualtherapeutische Fortbildung, und habe ein breites Spektrum an Methoden und Materialien zur Verfügung, um Menschen zu begleiten und zu unterstützen, die sich Veränderung in diesem wesentlichen Aspekt ihres Lebens wünschen.

Wer und welche Erfahrungen / Aus-Fortbildung hat Ihre Vorstellung von weiblicher Sexualität geprägt?

Vor allem die «Perlentor»-Ausbildung hat mein Verständnis von weiblicher Sexualität sehr verändert. Das fing mit der Sprache an, die wir in der Ausbildung benutzt haben, mit der Offenheit und Wertungsfreiheit und damit, im wahrsten Sinne ein konkretes Bild von meinem eigenen Körper zu bekommen. Ich habe drei Kinder geboren, ich hatte immer tolle Gynäkologinnen und Hebammen, jedoch bin ich z.B. nie auf die Idee gekommen, nach einem Spiegel zu fragen, um meinen eigenen Muttermund sehen zu können. Als wir das dann im Seminar gemacht haben, sind mir die Tränen gekommen. Diesen Raum in mir zu sehen, hat mir einen Stolz auf meinen weiblichen Körper und seine Möglichkeiten gegeben, den ich früher nicht kannte. Heute biete ich selber sogenannte Spiegelsitzungen an und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon, wie viel es bewirkt, wenn eine Frau gespiegelt bekommt, dass ihre Yoni schön, kraftvoll und verehrungswürdig ist. Es kommt mir vor, als wäre sie um einen Meter gewachsen, wenn sie zwei Stunden später meine Praxis verlässt.

Was nehmen Ihre Gäste nach einem Besuch bei Ihnen mit?

Die Anliegen, mit denen meine Klientinnen und Klienten zu mir kommen, sind sehr unterschiedlich. Aber die zugrunde liegende Frage ist eigentlich immer: «Bin ich richtig, so wie ich bin?» Und ich glaube sagen zu können, dass es mir in den meisten Fällen gelingt, ihnen ein: «Ja, natürlich!» vermitteln zu können und sie spüren zu lassen, dass sie das, was sie als problematisch oder einschränkend empfinden, verändern können.

Wie hat sich Ihre eigene Sexualität durch Ihre Arbeit verändert?

Ich bin selbst-bewusster geworden. Und dieses Selbst-Bewusstsein strahlt auch in andere Bereiche meines Lebens aus. Die Erforschung meiner Sexualität hat mich auf direktem Weg zu mir selber geführt, so wie es keine der Therapien, die ich bis dahin durchlaufen hatte, vermocht hatte. Ich konnte endlich ganz und gar „Ja“ sagen zur mir. Ich bin ein anderer Mensch geworden, eine andere Frau und auch eine andere Mutter. Ich habe angefangen, die zu werden, als die ich geboren wurde, aber die ich mich nie getraut habe zu sein.

Welche Sexualität leben Sie?

Ich bin nach wie vor heterosexuell, daran hat sich durch meine intensive Beschäftigung mit weiblicher Sexualität nichts geändert, auch wenn das viele vermuten.

Frauenmassagen zählen zu Ihrem Angebot, unter anderem Venuslippen- und Yonimassage. Sie bieten sogar einen Yonimassage-Austauschtag an. Was bewegt Sie dazu und wie sieht ein solcher Tag aus?

Eine Yonimassage ist eine Methode der Selbsterfahrung. Sie beginnt in meinem Verständnis in dem Moment, wo eine Frau sich auf die Suche danach begibt, wo sie meine Homepage liest und dann meine Praxisräume betritt. Ich habe manchmal Yonimassagen, bei denen es gar nicht zu einer Berührung der Yoni kommt. Es geht darum, dass die Frau etwas sucht, dass sie etwas verändern will. Das ist die treibende Kraft, sie führt uns. Das Thema, um das es geht, das ihrem Impuls zugrunde liegt, das taucht dann in der Massage auf. Oft schon lange vor der eigentlichen Yonimassage. Oder an der Schwelle dazu.

«Wenn du deinen Körper erforschst, wirst du besser spüren, was in dir vorgeht und wie du berührt werden möchtest, was dir gut tut.»

Die Massage kann verschiedene Ausrichtungen haben, sie kann als ein angeleitetes sexuelles Lernen konzipiert sein, als Heilmassage, als Lustmassage. Aber in der Praxis sind diese Unterscheidungen sinnlos, sie sind Theorie. Ich weiß tatsächlich gar nicht besonders viel über Tantra, aber was ich begriffen habe ist, dass der Körper diese Grenzen nicht kennt. Lernen kann dann stattfinden, wenn wir es gar nicht bemerken und Heilung kann genauso lustvoll sein, wie Lust heilsam sein kann.

Der Yonimassage-Austauschtag ist ein Angebot für Frauen, die sich in der Ausbildung zur Frauenmasseurin befinden. Die Perlentor-Ausbildung ist in Süddeutschland angesiedelt und für mich, die ich im Norden lebe, war es während meiner eigenen Ausbildung sehr kompliziert, die erforderlichen Probemassagen zu geben und zu bekommen. Nun, wo ich mit der Ausbildung fertig und in der glücklichen Lage bin, sogar eigene Räume zu haben, möchte ich gerne nach und nach Strukturen aufbauen helfen, die es Frauen aus Norddeutschland erleichtert, diese wunderbare Ausbildung zu machen oder auch ihre Kenntnisse aufzufrischen, wenn ihre Ausbildung schon längere Zeit zurück liegt.

Die Yonimassage-Austauschtage laufen so ab, dass wir mit einer gemeinsamen Meditation und Begrüssungsrunde beginnen und die teilnehmenden Frauen sich dann zu Massagepaaren für den Tag zusammenfinden. Es gibt eine Hin- und eine Rückrunde und ich stehe für Fragen, Prozessbegleitung und Feedback zur Verfügung.

Sexualität sei mehr als nur körperliche Lust; Sexualität sei Lebensenergie! Was verbirgt sich hinter dieser These?

Die Sexualenergie ist die stärkste Kraft, die wir haben. Viele Menschen haben nicht gelernt, mit ihr umzugehen bzw. sie haben sogar gelernt, sie abzuwerten und zu unterdrücken. Diese Energie fehlt ihnen dann. Nicht «nur» in der Sexualität, die als unbefriedigend, lustlos oder gar belastend und schmerzhaft empfunden wird, sondern auch in ihrem restlichen Leben. Eine gut integrierte, erfüllende Sexualität ist eine mächtige Quelle von Lebensenergie und eine gute Prophylaxe gegen Depressionen, Burnout und andere seelische und gesundheitliche Nöte.

Ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne die Definition der Welt Gesundheitsorganisation (WHO) von sexueller Gesundheit: «Sexuelle Gesundheit ist untrennbar mit Gesundheit insgesamt, mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden. Sie ist ein Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf die Sexualität und nicht nur das Fehlen von Krankheit, Funktionsstörungen oder Gebrechen.»

Was bereitet Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Freude?

Am meisten Freunde bereitet es mir zu erleben, wie sich Würde und Frieden in den Menschen ausbreiten, wenn sie anfangen, den Körper mit Liebe und Achtung zu betrachten. Ich glaube, dass das ein Zustand ist, mit dem wir geboren werden, der uns aber im Laufe unserer Sozialisation meist verloren geht. Zu sehen, wie Menschen diesen ursprünglichen Zustand wiederfinden, in sich und in der Berührung mit einem anderen Menschen, ist immer wieder ein großes Glück für mich.

Was halten Sie von Hilfsmitteln für die Frau? Welches Toy sollte bei jeder Frau in der Schublade liegen und warum?

Ich konnte mich persönlich nie wirklich mit Erotik-Toys anfreunden und sie spielen auch in meiner Arbeit keine Rolle. Ich habe einen sogenannten Passionpointer am Massageplatz liegen und benutze ihn manchmal, um verspannte Beckenbodenmuskeln zu lockern, also als Massagestab. Meinen Klientinnen empfehle ich, zur sexuellen Selbsterforschung und Selbstliebe die eigenen Finger zu benutzen, um einen unmittelbaren Kontakt zu ihrem Körper zu bekommen.

Mögen Sie die Leserinnen und Leser an Ihrem schönsten Sexerlebnis teilhaben lassen?

Besonders intensiv habe ich jedes Mal die erste sexuelle Vereinigung nach den Geburten meiner Kinder erlebt. Das ist für mich mit nichts anderem zu vergleichen.

Welches sind Ihre Visionen/Projekte?

Ich habe viele Visionen und Projekte. Ich liebe die Einzelarbeit, aber ich suche auch nach Möglichkeiten, mehr Menschen zu erreichen. Im September beginnt meine erste eigene Seminarreihe zur weiblichen Sexualität und Persönlichkeitsentfaltung, die «Zeit für Veränderung». Das ist ein sehr persönliches Herzensprojekt von mir und ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Zum Beispiel könnte daraus als weiterer Zweig ein Online-Angebot werden. Dann gibt es den Frauenkreis, ein Angebot, das sich an die Tempelgruppen der Awakening Women anlehnt und das eine starke Dynamik in meinem Lebensumfeld entwickelt. Außerdem würde ich gerne ein Buch über weibliche Sexualität in und nach den Wechseljahren schreiben. Auch die Arbeit mit jungen Mädchen in Form von Aufklärungsangeboten und Initiationsworkshops finde ich spannend. Manchmal assistiere ich Ausbildungsseminare und stelle dabei immer wieder fest, wie viel Freude es mir macht, mein Wissen weiterzugeben. Ich habe keine Sorge, dass mir so bald die Ideen und die Träume ausgehen!

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Silke Plagge hat mich für das Blog "40something" interviewt - das wurde auch Zeit, bevor ich 50something bin! ;-)

Neustart mit ü40 als Sexualberaterin

Die Luft riecht nach Margeriten, frisch gemähtem Gras und Dünger – grün ist es hier am Rand der Großstadt. Freundliche Menschen, kaum Autos. Idylle pur im alternativen Wohnprojekt. Hier wohnt Hanna Krohn mit zweien ihrer drei Kindern, und hier arbeitet sie auch. Sie hat einen großen Praxisraum mit Bad und ein kleines Büro. Hell und freundlich sind die Zimmer, es duftet ein wenig nach Rosenöl.

„Wer mich hier besucht, soll sich wohl fühlen,“ sagt die 48jährige. „Manche Klientinnen sind sehr unsicher und wissen gar nicht, was sie hier bei mir erwartet.“ Hanna arbeitet als Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität. Zu ihr finden Frauen zwischen Mitte 20 bis Ende 50. „Die ersten waren Frauen, denen ich von Ausbildungskolleginnen empfohlen wurde. Dann hat sich das immer mehr herumgesprochen, was ich anbiete.“ Hanna hält Vorträge, bietet Beratung – aber auch noch viel mehr: sie gibt auch Körpercoachings und Intimmassagen.“Viele Frauen kennen diesen Teil von sich selbst viel zu wenig. Unser Blick auf uns selbst ist meist der von außen. Aber oft ist da so ein Gefühl, dass etwas fehlt. Und genau da kann ich dann helfen. Ich unterstütze Frauen darin, ihren Körper und ihre Sexualität kennenzulernen, sie zu schätzen und zu genießen.“ Einige Frauen suchen bei ihr Rat, andere sind einfach neugierig. „Ich arbeite mit ganz unterschiedlichen Frauen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Einige möchten einfach mehr lernen und so auch in ihrer Beziehung davon profitieren. Andere haben große Probleme damit, Nähe zu zu lassen, haben traumatische Erfahrungen und möchten ganz behutsam sich wieder spüren.“

Eine Sexualberaterin ist keine Frauenbeglückerin – es geht um mehr als um den Orgasmus

Massiert werden am ganzen Körper – Berührungen einer fremden Frau in ganz privaten Bereichen, ist das nicht etwas sehr Heikles? „Nein, das finde ich nicht. Es gibt so viele Menschen, die lange kaum angefasst wurden, deren Körper sich nach Streicheln sehnt. Viele Frauen kennen nicht einmal ihre wirklich erogenen Zonen. Meine Massagen sind nicht in erster Linie erotisch. Es geht darum, dass die Frau sich selbst wieder spürt, ihre Sexualität für sich entdeckt. Ich bin keine Frauenbeglückerin – es geht nicht um den Orgasmus, sondern um Gefühle und das eigenen Gespür.“ Eine so genannte Frauenmassage dauert gut drei Stunden. Hanna ist allein mit ihrer Klientin, begrüsst sie zunächst. „Ein langsames rituelles Ankommen ist wichtig,“ sagt die Sexualberaterin. Wo und wie genau die Frau berührt werden möchte, wird genau besprochen, der enge Kontakt ist wichtig.

Zuerst beginnt Hanna mit einer Ganzkörpermassage, später wird auch der Schossraum massiert. Hanna nutzt dafür gern das Wort „Yoni“, das aus dem indischen Sanskrit stammt. „Das ist nicht so negativ besetzt oder so klinisch“, findet sie. Behutsam massiert sie auch den inneren und äußeren Intimbereich. „Das kann und darf auch lustvoll sein, aber das muss es nicht. Es gibt Frauen, für die ist das einfach nur entspannend, aber auch bewegend oder heilsam, weil sie noch nie wirklich zärtlich dort berührt wurden.“ Sich einfach fallen lassen, Sexualität genießen dürfen. Aber eben nicht müssen. Ganz selbstbestimmt im eigenen Tempo. Das ist etwas, das sich laut Hanna sich noch immer wenige Frauen erlauben. Oder erlauben können. „Einiges davon kann man aber lernen. Und genau das ist wichtig.“

Auch für Hanna selbst ein langer Weg. Über zwanzig Jahre war sie mit dem Vater ihrer Kinder zusammen, wurde als Studentin schwanger. Ihre heute 21jährige älteste Tochter ist mittlerweile ausgezogen. Die beiden jüngeren Kinder sind 16 und 9 Jahre alt. „Ich habe nach meinem Studium zwar immer mal freiberufliche Projekte im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gemacht, ich war aber vor allem Mutter und Hausfrau.“ Die Familie zog in das alternative Wohnprojekt, baute das Haus. Hannas Mutter und Großmutter fanden dort ebenfalls eine Wohnung. „Meine Großmutter ist in diesem Jahr mit 99 verstorben. Bis dahin haben wir mit vier Generation fast Dach an Dach gewohnt.“

Sie musste sich neu erfinden – und über Sex zu reden fiel ihr immer schon leicht

Aber Hanna füllte die Rolle als Mutter, Tochter und Enkelin mit gelegentlicher Arbeit nicht aus. „Auch in meiner Beziehung ging es mir nicht gut. Ich rutschte in eine tiefe Krise. Das war nicht nur eine Ehekrise, das war eine richtige Existenzkrise.“ An einem Punkt, an dem einfach gar nichts mehr ging, hatte sie das Gefühl, sich selbst neu erfinden zu müssen. „Ich brauchte etwas Neues. Und die Möglichkeit auch mein eigenen Geld zu verdienen. Denn dass wir uns trennen mussten, das war klar.“ Eine Serie im ZDF, die Sexualität thematisiert, brachte sie auf die Idee der Massagen für Frauen. „Ich fand Ann-Marlen Hennings Sendung ‚Make love‘ so toll. Endlich wurde offen über Sex gesprochen. Das war so ein Aha-Moment. Es geht also doch. Auch ohne schmuddelig zu sein über Sex zu reden.“ Die Serie läuft seit Anfang August 2017 in der fünften Staffel im Fernsehen, nicht nur Hanna Krohn schätzt den unaufgeregten Ton darin. Für Hanna war die Sexual-Beratung mit den klaren Worten ein Vorbild. Genau so etwas wollte sie auch machen. „Ich habe keine Ahnung warum, aber über Sex haben Menschen schon immer gern mit mir geredet. Leute öffnen sich mir da leicht. Dass das auch eine Kompetenz ist, das wurde mir erst langsam klar.“

Eine Intimmassage war für sie selbst eine Offenbarung

Zwei Jahre vor diesem Aha-Moment hatte Hanna auch eine besondere Erfahrung. Sie hatte bei einer Bekannten einen Flyer über einen tantrischen Frauenkreis gefunden. Und spontan entschieden, so etwas auch einmal erleben zu wollen, gerade weil es in der Beziehung damals so schlecht lief. Hier ging es nicht um Sex. Sondern um Körperwahrnehmung und sich selbst bewusst wahrzunehmen. „Das war für mich eine Offenbarung. Über das Frausein. Ein Gefühl, sich im eigenen Körper satt und wohl zu fühlen. Das wirkte nach lange nach. Ich spürte, was es heißt, sich selbst zu lieben.“ Diese Erfahrung wollte Hanna vertiefen. Sie besuchte Seminare zu Tantra-Massagen. „Da ging es wirklich in erster Linie um das Massieren. Um Spüren. Und ich merkte ganz schnell: Ich kann das. Ich habe da eine sehr gute Intuition.“ Hanna besuchte mehr Seminare und bildete sich fort. „Für mich war das der genau richtige Weg. Für meine Ehe allerdings auch das Aus. Mein Mann hatte da ein Bild von ständigem Sex mit anderen, dabei stimmte das gar nicht. Aber er traute mir nicht.“

Sexualberaterin in der eigenen Praxis – für Hanna ein gelebter Traum

Hannas Schwerpunkt bei den Massagen war der therapeutische Ansatz – für Frauen. „Ich wollte das, was ich selbst erlebt habe, weiter geben.“ Durch den Auszug ihres Mannes konnte sie die eigenen Praxisräume im Haus nutzen und machte sich offiziell selbstständig. „Zusätzlich habe ich eine zweijährige sexualtherapeutische Fortbildung angefangen, die ich bald beende.“ Wichtig ist ihr Offenheit. „Sexualität und alles was damit zu tun hat, das Berühren des Intimbereiches, das hat schnell so einen Beigeschmack. Die Frauen sollen bei mir einen geschützten Raum finden. Sich ihrem Körper annähern dürfen. Darum wollte ich, dass alles liebevoll, hell und entspannt bei mir ist.“

Aktuell bietet Hanna gerade eine Seminarreihe. „Zeit für Veränderung“. Themen sind unter anderem „Körperbild vs. Körperleben“, „Erregung, Lust und Orgasmus – wie geht das eigentlich?“ Dazu gehören auch individuelle Beratungen. „Ich hätte selbst nie gedacht, wie sehr einem klar werden kann, dass so ein Weg passt. Aber ich merke das am Feedback. Und daran, dass ich immer mehr Nachfragen bekomme. Das ist toll.“

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