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Eine Lanze für die Lust
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Zeit für Veränderung
28. August 2017
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Warum ich heute wütend bin:

Mitglied im Tantramassage Verband e.V.

Ich bin Mit­glied im Tantra­mas­sage Ver­band (TMV). Die tantrische Hal­tung und die Tantra­mas­sage TMV® gehören zum Fun­da­ment mein­er Aus­bil­dung und mein­er Arbeit und ich bin sehr stolz darauf. Heute tritt nun ein Gesetz in Kraft, das den Begriff der Pros­ti­tu­tion so weit fasst, dass jegliche Berührung im Intim­bere­ich gegen Ent­gelt pauschal als sex­uelle Hand­lung und damit als Pros­ti­tu­tion eingestuft wird. Damit wird den­jeni­gen, die wie ich den Schritt in eine ganzheitliche Kör­per­ar­beit gewagt haben, das Leben und Arbeit­en schw­er­er gemacht. Nicht nur durch das Stig­ma, das auf dem Beruf der Pros­ti­tu­ierten liegt, son­dern auch durch die ver­schärften Aufla­gen für seine Ausübung. Das ist nicht zeit­gemäß, das ist nicht zukun­ftsweisend, das ist wie ein Schlag ins Gesicht für uns und unsere KundIn­nen. Ich bin wütend!

In der let­zten Woche war ich viele Stun­den damit beschäftigt, an einem Schreiben des TMV an das Bun­des­fam­i­lien­min­is­teri­um mitzuar­beit­en sowie an diversen Stel­lung­nah­men.

Das The­ma ist extrem kom­plex, das ist mir (und uns) vol­lkom­men bewusst. Natür­lich kann man sich fra­gen, was so schlimm daran ist, vor dem Gesetz als Pros­ti­tu­ierte zu gel­ten. Und ob es tantrisch ist, sich von anderen abzu­gren­zen. Ich habe mich das sel­ber in den let­zten Monat­en immer wieder gefragt.

Let­ztlich bin ich mit diesen Fra­gen befasst, seit ich das erste mal darüber nachgedacht habe, eine Tantra­mas­sage Aus­bil­dung zu machen. Im Kern geht es um die tief sitzende gesellschaftliche (Ab-)Wertung von Sex­u­al­ität. Damit bin ich (und alle anderen, die in diesem Sek­tor tätig sind) ständig kon­fron­tiert. Jeden Tag. Diese (Ab-)Wertung ist der Grund dafür, dass unsere Arbeit über­haupt so bit­ter nötig und wertvoll ist, nicht nur für jeden einzel­nen, der in unsere Prax­en kommt, son­dern für unsere ganze Gesellschaft. Sie ist aber auch der Grund dafür, dass meine Kinder sich blöde Kom­mentare von Klassenkam­er­aden anhören müssen, die meine Home­page im Netz gefun­den haben. Sie ist der Grund dafür, dass ich ständig gefordert bin, auf Anfra­gen von Men­schen zu reagieren, die ein völ­lig anderes Ver­ständ­nis von mein­er Arbeit haben als ich – ein­fach weil sie kein anderes Konzept von Berührun­gen im Intim­bere­ich ken­nen als das, was ihnen von der Sexin­dus­trie präsen­tiert wird. Diese (Ab-)Wertung ist übri­gens auch der Grund dafür, dass wir nie­man­den von Rang und Namen gefun­den haben, der es auf sich nehmen mochte, unser Anliegen in der Öffentlichkeit zu unter­stützen.

Es hat lange gedauert, bis ich in mir sel­ber eine klare Hal­tung zu mein­er Arbeit gefun­den habe und nun muss ich diese Klarheit nach außen vertreten. Immer wieder. Ich ver­suche, das aus ein­er Hal­tung der Liebe und Akzep­tanz her­aus zu tun. Das erfordert Mut und Kraft. Ich habe viel auf mich genom­men, um diese Arbeit machen zu kön­nen und ich habe es gerne getan, weil sie mir am Herzen liegt. Aber dass nun noch eine weit­ere Hürde hinzukommt, dage­gen wehre ich mich. Denn neben der Stig­ma­tisierung sind mit der Ein­stu­fung als Pros­ti­tu­ierte auch viele ganz reale Kon­se­quen­zen ver­bun­den. Das Geset­zt ist nicht darauf angelegt, die Posi­tion der Sexar­bei­t­erIn­nen zu stärken, son­dern das Ange­bot in diesem Sek­tor stark zu dez­imieren.

Ich respek­tiere Sexar­bei­t­erIn­nen, aber ich möchte auch darin respek­tiert wer­den, dass ich mich nicht dazu zäh­le und dass meine Arbeit eine andere Aus­rich­tung hat. Ich kri­tisiere dur­chaus auch das Gesetz als Ganzes, aber ich kri­tisiere vor allem, dass Berührun­gen im Intim­bere­ich gegen Ent­gelt pauschal als sex­uelle Hand­lun­gen und damit als Pros­ti­tu­tion definiert wer­den.

Ich denke, dass es mach­bar ist, Stan­dards zu entwick­eln, die den Beruf des Sex­u­al­prak­tik­ers von anderen Ange­boten unter­schei­d­bar machen. In anderen Beruf­szweigen ist das ja auch gelun­gen. Und natür­lich ist das keine absolute Garantie für Qual­ität, das ist aber z.B. bei Ärzten auch nicht anders.

P.S.: Es ist übri­gens auch möglich, För­der­mit­glied im TMV zu wer­den oder unsere Arbeit durch eine Spende zu unter­stützen: http://www.tantramassage-verband.de/verband/mitglied-werden/

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Hier ist zunächst die Kurz­fas­sung, die unsere Posi­tion auf den Punkt bringt. Im Anschluss find­et ihr dann die aus­führliche Stel­lung­nahme, in der wir auch darauf einge­hen, was Tantra­mas­sage TMV® ist und was sie von Pros­ti­tu­tion unter­schei­det:

Das sogenannte Prostituiertenschutzgesetzt (ProstSchG) aus Sicht der TantramasseurInnen

Am 1. Juli 2017 tritt das neue Pros­ti­tu­ierten­schutzge­setz (ProstSchG) deutsch­landweit in Kraft. Wir Tantra­masseurIn­nen kri­tisieren die sehr weit gefasste Def­i­n­i­tion des Begriffes „Pros­ti­tu­tion“.

Im Laufe der poli­tis­chen Diskus­sion war nie die Rede von zer­ti­fizierten Tantra­masseurIn­nen oder anderen Vertretern ganzheitlich­er sex­ueller Kör­per­ar­beit, den­noch, müssen wir uns nun mit dieser Recht­sun­sicher­heit auseinan­der­set­zen und unter Umstän­den von Gericht­en klären lassen welche der neuen Regelun­gen Anwen­dung find­en.

Wird das Gesetz im vollen Umfang umgesetzt, dürfen unsere Mitglieder künftig nur noch mit einem Huren-Ausweis arbeiten.

Jegliche Art von gewerb­smäßiger Berührung im Intim­bere­ich als ungel­ernte und oft unfrei­willige Pros­ti­tu­tion aufz­u­fassen, passt eher in den Geist der 50er und 60er Jahre und zeigt unser­er Mei­n­ung nach einen blind­en Fleck der Poli­tik. Es wird vol­lkom­men überse­hen, dass schon heute in einem sehr weit­en Spek­trum prak­tisch mit Sex­u­al­ität gear­beit­et wird und dass in vie­len dieser Bere­iche das ProstSchG keinen Sinn macht und sog­ar im Wege ste­hen wird.

Tantra­mas­sage-Prax­en sind längst mit Ärzten, Heil­prak­tik­ern und Ther­a­peuten ver­net­zt, die Tantra­mas­sagen für ihre Klien­ten empfehlen, wo sie selb­st nicht helfen kön­nen oder dür­fen. Wir ver­ste­hen unsere Arbeit als Beitrag zu ein­er aufgek­lärten und fortschrit­tlichen sex­uellen Kul­tur, zu selb­st­bes­timmtem sex­uellen Ler­nen und zu mehr Leben­squal­ität im Sinne der WHO-Def­i­n­i­tion von „Sex­ueller Gesund­heit“.

Wir fordern daher Ausnahmeregelungen und mittelfristig eine zukunftsweisende Neuordnung unseres Berufsstandes durch ein eigenes Sexualpraktikergesetz.

Hier nun die ausführliche Stellungnahme:

Stellungnahme des Tantramassage-Verbandes e.V.
zum Prostituiertenschutzgesetz

Seit dem 1. Juli 2017 gilt das neue Pros­ti­tu­ierten­schutzge­setz (ProstSchG), das im ver­gan­genen Herb­st von der großen Koali­tion unter Fed­er­führung des Bun­desmin­is­teri­ums für Fam­i­lie, Senioren, Frauen und Jugend beschlossen wurde. Dieses Gesetz wird nicht
nur mas­sive Auswirkun­gen auf den Rotlicht­bere­ich haben, son­dern bet­rifft u. U. auch die Tantra­mas­sage. Der TMV als Berufsver­band der ser­iösen und ganzheitlichen Tantra­mas­sage im deutschsprachi­gen Raum fordert eine Anpas­sung des Geset­zes und mit­tel­fristig ein neues Sex­u­al­prak­tik­erge­setz für diesen neuen Beruf­s­stand.

1. Unser Anliegen

Das „Gesetz zur Reg­ulierung des Pros­ti­tu­tion­s­gewerbes sowie zum Schutz von in der Pros­ti­tu­tion täti­gen Per­so­n­en“ (ProstSchG) wurde am 07.07.2016 vom Bun­destag mit den Stim­men der großen Koali­tion beschlossen und am 21.10.2016 amtlich verkün­det. Es ergänzt das Pros­ti­tu­tion­s­ge­setz von 2002 und trat am 01.07.2017 in Kraft. Am 31.12.2017 enden die let­zten Über­gangs­fris­ten.

Das Gesetz ist erkennbar in der Absicht konzip­iert wor­den, krim­inelle Machen­schaften im Rotlicht­m­i­lieu zu erschw­eren (Men­schen­han­del, Zwang­spros­ti­tu­tion, Dro­gen­miss­brauch, etc.), und prob­lema­tis­chen Fol­gen der Lib­er­al­isierung von 2002 ent­ge­gen­zuwirken (z.B. Fla­trate-Sex, Preis-Ver­fall etc.). Außer­dem soll die ver­mutete mas­sive Steuer­hin­terziehung in dem Bere­ich unter­bun­den und ein Gewer­bezweig geord­net wer­den, der bis­lang weit­ge­hend ungeregelt geblieben ist. Diese Inten­tio­nen erken­nen wir an. Ob das Gesetz in diesem Sinne hil­fre­ich sein wird, bleibt abzuwarten.

Unab­hängig davon, wie man zur Pros­ti­tu­tion all­ge­mein und zur Sinnhaftigkeit, Wirk­samkeit und Ver­fas­sungsmäßigkeit des neuen Geset­zes ste­ht, kri­tisieren wir die sehr weit gefasste Def­i­n­i­tion des Begriffes „Pros­ti­tu­tion“. Im Laufe der poli­tis­chen Diskus­sion war nie die Rede von zer­ti­fizierten Tantra­masseurIn­nen oder anderen Vertretern ganzheitlich­er sex­ueller Kör­per­ar­beit, den­noch müssen wir uns nun mit dieser Recht­sun­sicher­heit auseinan­der­set­zen und unter Umstän­den von Gericht­en klären lassen welche der neuen Regelun­gen sin­nvoll sind.

§2 Abs. 1: Eine sex­uelle Dien­stleis­tung ist eine sex­uelle Hand­lung min­destens ein­er Per­son an
oder vor min­destens ein­er anderen unmit­tel­bar anwe­senden Per­son gegen Ent­gelt oder das
Zulassen ein­er sex­uellen Hand­lung an oder vor der eige­nen Per­son gegen Ent­gelt.

Auch wenn ver­mut­lich alle, die sich näher mit Tantra, Tantra­mas­sage, Sex­o­log­i­cal Body­work o.ä. beschäftigt haben, den Gedanken absurd find­en, ist diese Def­i­n­i­tion so pauschal, dass Tantra­mas­sage und ähn­liche For­men von sex­ueller Kör­per­ar­beit darunter ver­standen wer­den kön­nten.

Diese Sichtweise, jegliche Art von gewerb­smäßiger Berührung im Intim­bere­ich als ungel­ernte und oft nicht frei­willige Pros­ti­tu­tion aufz­u­fassen, passt eher in den Geist der 50er und 60er Jahre und zeigt unser­er Mei­n­ung nach einen blind­en Fleck der Poli­tik. Es wird vol­lkom­men überse­hen, dass schon heute in einem sehr weit­en Spek­trum prak­tisch mit Sex­u­al­ität gear­beit­et wird und dass in vie­len dieser Bere­iche das ProstSchG keinen Sinn macht und sog­ar im Wege ste­hen wird.

In Deutsch­land leben und arbeit­en zahlre­iche Pio­niere der zer­ti­fizierten Tantra­mas­sage und ander­er Kör­per­ar­beits- bzw. Body­work-Meth­o­d­en. Hier ist eine neue Beruf­s­gruppe ent­standen, die nicht nur beson­ders umfassende Entspan­nung und Wohlbefind­en ver­mit­telt, son­dern auch eine Lücke in unserem Gesund­heitswe­sen schließt, indem sie zum Beispiel Men­schen, die Miss­brauch und sex­uelle Trau­ma­ta erlebt haben, Paaren, die sich eine erfül­lende Sex­u­al­ität wün­schen sowie Frauen und Män­nern, die ihre Erleb­n­is­fähigkeit über­haupt erst ken­nen­ler­nen wollen, adäquate Hil­festel­lun­gen gibt.

Diese Berufe gehören augen­schein­lich und völ­lig zu Recht nicht zur anvisierten Ziel­gruppe. Ihre Ange­hörige bedür­fen des Schutzes durch das neue Gesetz nicht. Sie sehen sich durch die zu befürch­t­ende Einord­nung — und damit oft ein­herge­hende Stig­ma­tisierung — als „Pros­ti­tu­ierte“ bzw. „Betreiber ein­er Pros­ti­tu­tion­sstätte“ in ihrem Bemühen verkan­nt und tor­pediert, ihrer
Stel­lung­nahme des Tantra­mas­sage-Ver­ban­des e.V. zum Pros­ti­tu­ierten­schutzge­setz wichti­gen, wirk­samen und wertvollen ganzheitlichen Arbeit am Men­schen eine bre­it­ere öffentliche Aufmerk­samkeit und Wertschätzung zu geben.

Aus diesem Grund brauchen und fordern wir Aus­nah­men von den Regelun­gen des neuen Geset­zes für die betr­e­f­fend­en Berufe, v.a. für die von uns vertretene Tantra­mas­sage TMV®. Eine echte und zukun­ftsweisende Alter­na­tive wäre länger­fristig ein neu zu schaf­fend­es Sex­u­al­prak­tik­erge­setz, das der Tat­sache Rech­nung trägt, dass in den let­zten Jahrzehn­ten neue Berufs­bilder ent­standen sind, die durch die bish­eri­gen Regelun­gen nicht sin­nvoll erfasst wer­den.

2. Wer wir sind

Der Tantra­mas­sage-Ver­band e.V. (TMV) ist der Berufsver­band der ser­iösen und ganzheitlichen Tantra­mas­sage im deutschsprachi­gen Raum. Er wurde 2004 gegrün­det und beste­ht aus Masseurin­nen, Masseuren, Mas­sage-Prax­en und Aus­bil­dungsin­sti­tuten, die eine gemein­same Vision verbindet und die viel Geld und Zeit in eine fundierte Aus­bil­dung investiert haben.

Eines der Haup­tan­liegen des TMV ist die Qual­itätssicherung und damit v.a. die stetige Weit­er­en­twick­lung der Aus­bil­dungs­stan­dards. Denn vor allem durch das hohe Niveau an Ken­nt­nis­sen und Fähigkeit­en und die Pro­fes­sion­al­ität der Masseurin­nen und Masseure in den TMV-Prax­en genießen diese einen Ruf als ser­iöse und fundiert arbei­t­ende Anbi­eter.

Ein weit­eres Haup­tan­liegen ist die Öffentlichkeit­sar­beit bzw. die Aufk­lärung darüber, was die Tantra­mas­sage TMV® eigentlich ist. Der Ver­band wurde im Jahre 2004 auch deshalb gegrün­det, um Ausübende und Prax­en zukün­ftig vor behördlichen Maß­nah­men zu schützen, die unser­er Ansicht nach in erster Lin­ie auf einem falschen Ver­ständ­nis der Tantra­mas­sage beruhen.

Unser Berufsver­band ist Inhab­er der Wort­marke „TMV®“, deren Nutzung nur unseren Mit­gliedern ges­tat­tet und an die Ein­hal­tung unser­er Qual­itäts­stan­dards gebun­den ist. Die Wort­marke dient v.a. dazu, unsere Arbeit von Anbi­etern unter­schei­d­bar zu machen, die eine deut­lich weniger fundierte Aus­bil­dung haben. Und natür­lich auch, sie von „Trit­tbret­tfahrern“ aus dem Rotlicht­bere­ich abzu­gren­zen. Der Begriff „Tantra­mas­sage“ an sich ist nicht geschützt und auch nicht schützbar.

Nähere Infor­ma­tio­nen über den TMV find­en sich auf unser­er Web­site www.TantramassageVerband.de. Auch wenn wir hier natür­lich in erster Lin­ie für die Mit­glieder unseres eige­nen Berufsver­ban­des sprechen, möcht­en wir darauf hin­weisen, dass es noch weit­ere qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Anbi­eter im Bere­ich Tantra­mas­sage und sex­ueller Kör­per­ar­beit gibt, die z.B. in dem vom TMV unab­hängi­gen, inter­na­tionalen Verze­ich­nis „Trust­ed Body­work“ aufge­lis­tet sind (www.TrustedBodywork.com/de/).

3. Tantra und die Entste­hung der tantrischen Kör­per­ar­beit

An dieser Stelle möcht­en wir einige Zeilen zu Tantra und zu unserem Ver­ständ­nis von Tantra­mas­sage schreiben, da dies Begriffe sind, die auf sehr unter­schiedliche, kom­plexe und teil­weise auch frag­würdi­ge Weise ver­wen­det wer­den.

Tantra ist eine spir­ituelle Tra­di­tion aus Indi­en und als solche eine Strö­mung sowohl im Hin­duis­mus als auch im Bud­dhis­mus. In der tantrischen Lehre wird die Welt mit all ihren Phänome­nen als direk­ter Teil des „Göt­tlichen“ gese­hen und nicht als etwas, was par­al­lel zum Göt­tlichen existiert. Das Göt­tliche hat dieser Sichtweise zufolge die Welt also nicht nur her­vorge­bracht, son­dern die Welt ist mit jedem Detail vol­lkom­men und in jedem Moment Teil des Göt­tlichen. Es existiert daher keine Unter­schei­dung zwis­chen „heilig“ und „pro­fan“ und es gibt auch kein Konzept von „Sünde“. Moralis­che Kat­e­gorien mögen bedeut­sam sein, sind aber aus tantrisch­er Sicht „nur“ von Men­schen gemacht. Eine zen­trale Bedeu­tung hat jedoch die Entwick­lung eines wachen Bewusst­seins, wozu v.a. med­i­ta­tive Prak­tiken dienen.

Auf­grund des im wahrsten Sinne des Wortes ganzheitlichen, natür­lichen und unbe­fan­genen Umgangs mit allen Erschei­n­ungs­for­men des Lebens wird auch die Sex­u­al­ität als etwas Wertvolles ange­se­hen, als etwas Natür­lich­es, Men­schlich­es und daher eben auch Göt­tlich­es. Sex­uelle Tech­niken (alleine und mit Part­ner) sind neben Med­i­ta­tion, Atemtech­niken und YogaÜbun­gen Bestandteil der Prax­is im klas­sis­chen Tantra. Dies alles dient der Befreiung von den (v.a. men­tal­en) Fes­seln unseres Daseins und der Bewusst­sein­ser­weiterung. In den meis­ten tantrischen Tra­di­tio­nen find­en wir fern­er eine sehr hohe Wertschätzung des „weib­lichen Prinzips“, welch­es hier im Gegen­satz zu den großen monothe­is­tis­chen Reli­gio­nen als gle­ich­w­er­tig zum „männlichen Prinzip“ ange­se­hen wird. Das heute sehr ver­bre­it­ete Hatha-Yoga entstammt übri­gens der­sel­ben tantrischen Tra­di­tion, auch wenn dies in der gewöhn­lichen YogaPrax­is heutzu­tage keine große Rolle mehr spielt.

Durch spir­ituell Suchende gelangten die tantrischen Ideen seit dem aus­ge­hen­den 19 Jhd. auch nach Europa, v.a. aber seit den späten 60er Jahren des 20. Jhd. Hier­bei wur­den Grundzüge der tantrischen Lehren und einzelne Tech­niken mit Meth­o­d­en aus dem Bere­ich Selb­ster­fahrung, Psy­cholo­gie und v.a. Kör­perpsy­chother­a­pie ver­bun­den. Aus dieser Verbindung ent­stand das, was viele Neo-Tantra nen­nen. Als beson­ders zeit­gemäß wer­den dabei das tantrische Prinzip „alles ist göt­tlich“ emp­fun­den und die hohe Wertschätzung, die das Weib­liche genießt. Für viele Men­schen ist (Neo-) Tantra zudem eine Möglichkeit, die eigene Kör­per­lichkeit und Sex­u­al­ität neu zu erleben und zu kul­tivieren.

Par­al­lel dazu ent­stand seit den 80er Jahren auch die Tantra­mas­sage in ihrer heuti­gen Form als eine Verbindung von Mas­sage, Sinnlichkeit und tantrisch­er Philoso­phie. 90% von dem, was man im Inter­net zum Stich­wort „Tantra“ find­et, zählt zum Neo-Tantra und zur tantrischen Kör­per­ar­beit.

Tantra ist also alles andere als „Sex mit Räuch­er­stäbchen“ und die Tantra­mas­sage TMV® ist keine beson­ders raf­finierte Art, Pros­ti­tu­tion mit Mas­sage zu verbinden — um einige häu­fige Vorurteile aufzu­greifen. Und sie sind bei­de auch das genaue Gegen­teil von Jugend­wahn, Pornosucht und Scham­lip­pen­verkleinerung. Vielmehr sehen wir uns durch die Def­i­n­i­tion der Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion WHO von „Sex­ueller Gesund­heit“ in unserem Bemühen bestätigt, einen wichti­gen Aspekt von Gesund­heit abzudeck­en und ins rechte Licht zu rück­en, in dem sich viele Men­schen allein gelassen fühlen:

Sex­uelle Gesund­heit ist untrennbar mit Gesund­heit ins­ge­samt, mit Wohlbefind­en und
Leben­squal­ität ver­bun­den. Sie ist ein Zus­tand des kör­per­lichen, emo­tionalen, men­tal­en und
sozialen Wohlbefind­ens in Bezug auf die Sex­u­al­ität und nicht nur das Fehlen von Krankheit,
Funk­tion­sstörun­gen oder Gebrechen. Sex­uelle Gesund­heit set­zt eine pos­i­tive und respek­tvolle
Hal­tung zu Sex­u­al­ität und sex­uellen Beziehun­gen voraus sowie die Möglichkeit, angenehme
und sichere sex­uelle Erfahrun­gen zu machen, und zwar frei von Zwang, Diskri­m­inierung und
Gewalt. Sex­uelle Gesund­heit lässt sich nur erlan­gen und erhal­ten, wenn die sex­uellen Rechte
aller Men­schen geachtet, geschützt und erfüllt wer­den.“ (Quelle:http://www.euro.who.int/de/health-topics/Life-stages/sexual-and-reproductivehealth/news/news/2011/06/sexual-health-throughout-life/definition)

4. Die Tantra­mas­sage TMV®

Die Tantra­mas­sage TMV® ist ein respek­tvolles und aus­giebiges Mas­sage- und Verehrungsritu­al, bei dem der ganze Kör­p­er berührt und massiert wird. Der Intim­bere­ich wird im ganzheitlichen Ansatz auf har­monis­che und natür­liche Weise mit ein­be­zo­gen. Das bedeutet unter anderem, dass der Orgas­mus nicht das Ziel der Mas­sage ist, er aber auch nicht ver­mieden wird. Diese ganzheitliche, natür­liche und absicht­slose Hal­tung zum The­ma Sex­u­al­ität und Orgas­mus unter­schei­det die Tantra­mas­sage TMV® ganz wesentlich von ziel­gerichteten Ange­boten z.B. aus dem Rotlicht­bere­ich, die teil­weise eben­falls mit dem ungeschützten Begrif­f­en „Tantra“ bzw. „Tantra­mas­sage“ bewor­ben wer­den.

Sex­u­al­ität, sex­uelle Empfind­un­gen und damit ver­bun­dene emo­tionale und kör­per­liche The­men spie­len also in der Tantra­mas­sage TMV® eine größere Rolle, sind jedoch niemals getren­nt von anderen Ebe­nen des Erlebens, wie etwa kör­per­lich­er Entspan­nung, dem Zulassen und Aus­drück­en von Emo­tio­nen, dem Gefühl als Men­sch und ins­beson­dere als Mann oder Frau verehrt und wert­geschätzt zu wer­den, etc. Die Tantra­mas­sage TMV® ver­fol­gt vielmehr einen päd­a­gogis­chen und gesund­heits­fördern­den Ansatz:

Es geht darum, sich voll­ständig als Men­sch zu erleben und als solch­er wert­geschätzt und verehrt zu wer­den — ein­schließlich der eige­nen Sex­u­al­ität. Für viele Men­schen geht
es ganz wesentlich darum, Sex­u­al­ität und ein pos­i­tives Kör­perge­fühl kom­plett neu zu
erleben, u.a. als etwas, was ihnen ursprünglich innewohnt und ihnen nicht nur unter gün­sti­gen Umstän­den von einem geeigneten Part­ner geschenkt wird oder eben nicht.

Dieser Wech­sel des Fokus weg vom Part­ner und hin zu sich selb­st und dem unmit­tel­baren Geschehen im eige­nen Kör­p­er macht den Weg erst frei für eine wirk­liche Begeg­nung von Men­sch zu Men­sch. Vor allem natür­lich in ein­er Liebes­beziehung, aber eben auch in qua­si rit­u­al­isiert­er und über­per­sön­lich­er Form im pro­fes­sionellen Rah­men ein­er Tantra­mas­sage. Für Män­ner bedeutet dieses neue Erleben von Sex­u­al­ität oft, die Fokussierung auf gen­i­tale Stim­u­la­tion und Orgas­mus in Frage zu stellen, Langsamkeit und ein bre­it­eres Spek­trum an Empfind­un­gen schätzen zu ler­nen, ganz pas­siv und emp­fan­gend zu sein u.v.m.

Frauen wiederum erleben in ein­er Tantra­mas­sage oft zum ersten Mal, dass es um sie selb­st geht, dass sie nicht nur „Erfül­lungs­ge­hil­fin“ für den Part­ner sind und dass Sex­u­al­ität mehr sein kann als der Kitt in ein­er Beziehung. Sie erfahren — oft unter Trä­nen — eine umfassende Verehrung und Wertschätzung ihres Kör­pers und ihrer Weib­lichkeit, los­gelöst von sex­uellen Ambi­tio­nen und unab­hängig von ihrem äußeren Erschei­n­ungs­bild. Manche Frauen erleben auch zum ersten Mal kom­plexere und tief­ere Dimen­sio­nen ihrer Sex­u­al­ität, seien es vagi­nale Orgas­men, Ganzkör­per­or­gas­men oder weib­liche Ejaku­la­tion. Nicht wenige Frauen erleben im geschützten Rah­men ein­er ganzheitlichen Tantra­mas­sage auch ihren ersten Orgas­mus über­haupt.

Damit die Tantra­mas­sage in diesem Sinne (und auch in weit­eren, hier nicht genan­nten Aspek­ten) ihren Beitrag zur sex­uellen Gesund­heit leis­ten kann, sind klare und pro­fes­sionelle Rah­menbe­din­gun­gen wichtig, die Kernbe­standteil unseres Selb­stver­ständ­niss­es sind:

• In Tantra­mas­sagen TMV® find­et unter keinen Umstän­den gen­i­taler, analer oder oraler Geschlechtsverkehr statt.

• Tantra­masseurin­nen und -masseure stellen ihren Kör­p­er nicht zur Ver­fü­gung und es geht auch nicht darum, die kör­per­lichen Eigen­schaften oder Reize der Masseurin bzw. des Masseurs in den Vorder­grund zu stellen. Rel­e­vant sind nur deren pro­fes­sionelle Mas­sage- und Berührungs­fähigkeit­en.
Dies wird z.B. dadurch unter­strichen, dass
— Tantra­masseurin­nen und -masseure mit Gesicht zu erken­nen sind,
— keine Per­so­n­en in Dessous oder in aufreizen­den Posen zu sehen sind,
— die Aus­bil­dungsqual­i­fika­tio­nen aufge­lis­tet sind,
— die Ausüben­den bei­den Geschlechtern ange­hören und
— dass alle Alters­grup­pen von ca. Mitte 20 bis ca. Mitte 60 anzutr­e­f­fen sind.

• Die Mas­sage-Emp­fan­gen­den sind pas­siv und bes­tim­men nicht den Ablauf und die Details der Mas­sage. Auf Wun­sch kön­nen natür­lich einzelne Anwen­dun­gen aus­geschlossen wer­den. Ger­ade mit Blick auf Men­schen, die sex­uelle Über­griffe erlit­ten haben, find­et immer ein aus­führlich­es Vorge­spräch statt. Mögliche sex­uelle Wün­sche der emp­fan­gen­den Per­son sind nicht in Form von „Zusat­zleis­tun­gen“ ver­han­del­bar.

Die Kun­den der Tantra­mas­sage TMV® sind zu ca. 60% männlich und zu ca. 20% weib­lich, weit­ere 20% bilden Paare. Der Anteil der Frauen und Paare steigt seit Jahren, was wir u.a. auf fundierte Berichte im öffentlich-rechtlichen Fernse­hen und in ser­iösen Mag­a­zi­nen (wie z.B. der „Brigitte“) zurück­führen. Nicht weni­gen Kun­den helfen unsere Mas­sageange­bote, sich nach Krisen­si­t­u­a­tio­nen wie sex­uellen Trau­ma­ta, Part­ner­schaft­sprob­le­men oder Störun­gen im sex­uellen Selb­st­be­wusst­sein unter kom­pe­ten­ter Begleitung wieder ihrer eige­nen Kör­per­lichkeit anzunäh­ern. Andere nutzen sie, um die eigene Liebesfähigkeit zu stärken, die eigene Lustkom­pe­tenz zu ent­deck­en oder die geistige, emo­tionale und spir­ituelle Dimen­sion ihrer Kör­per­lichkeit zu ent­fal­ten.

5. Die Tantra­mas­sage-Aus­bil­dun­gen des TMV

Der TMV hat in sein­er Aus­bil­dung­sor­d­nung Min­destvor­gaben für Tantra­mas­sage-Aus­bil­dun­gen definiert. Sem­i­naran­bi­eter, die diese Vor­gaben erfüllen, kön­nen nach einem zusät­zlichen per­sön­lichen Über­prü­fung­sprozess und ein­er 2jährigen Test­phase als „offizieller Aus­bilder des TMV“ anerkan­nt wer­den und Prü­fun­gen anbi­eten, deren Beste­hen zu einem Zer­ti­fikat als „Tantra­masseurin TMV®“ bzw. „Tantra­masseur TMV®“ führt und zum Tra­gen des entsprechen­den Titels befugt. Zurzeit gibt es drei offizielle Aus­bil­dungsin­sti­tute und zwei weit­ere, die sich in der erwäh­n­ten Test­phase befind­en.

Inhalte der Tantra­mas­sage-Aus­bil­dun­gen im Rah­men des TMV sind nicht nur die Ver­mit­tlung von Mas­sage-Tech­niken, son­dern auch per­sön­liche Selb­ster­fahrung und Reflex­ion, da die Ausübung der Tantra­mas­sage naturgemäß ein hohes Maß an per­sön­lich­er Integrität und Reife erfordert, die von den Aus­bildern u.a. in Super­vi­sio­nen über­prüft wird.

Die Aus­bil­dun­gen dauern i.d.R. zwis­chen neun und achtzehn Monat­en und kosten inkl. Über­nach­tungs- und Verpfle­gungskosten ca. zwis­chen 4.000 € — 6.000 €.

6. Die bish­erige gesellschaftliche Anerken­nung der Tantra­mas­sage TMV®

Ab Mitte der 80er Jahre gab es die ersten Ange­bote für sinnlich-tantrische Mas­sagen und die ersten Büch­er und Work­shops zu diesem The­ma. Sei­ther wurde die tantrische Kör­per­ar­beit in den Mas­sage- und Aus­bil­dungsin­sti­tuten stetig weit­er­en­twick­elt und hat sich mit­tler­weile als eine Form der ganzheitlichen, kör­per­na­hen Begleitung und Unter­stützung im deutschsprachi­gen Raum und auch im europäis­chen Aus­land weit ver­bre­it­et.

Die 2006 bzw. 2008 erschiene­nen Büch­er der TMV-Aus­bilderin Michaela Riedl zum The­ma weib­liche und männliche Intim­mas­sage („Yoni-Mas­sage — Ent­decke die Quellen weib­lich­er Liebeslust“ bzw. „Lingam-Mas­sage — Die Kraft männlich­er Sex­u­al­ität neu erleben“) wur­den Best­seller. Zahlre­iche Berichte macht­en das The­ma Tantra­mas­sage mehr und mehr gesellschafts­fähig (WDR, Focus, Süd­deutsche Zeitung, Brigitte etc.).

In ihrem aktuellen Buch „Rotlicht“ beschreibt Nora Bossong den gesamten Rotlicht­bere­ich äußerst kri­tisch und ablehnend — nur nicht die Tantra­mas­sage. In einem Inter­view mit der Zeitschrift „Die Welt“ vom 13.02.2017 sagt sie dazu:

Bei der Tantra­mas­sage geht es eben nicht um reine Triebab­fuhr, son­dern um Kör­per­wahr
nehmung, Entschle­u­ni­gung, Berührung. Man übt keine Macht aus, erniedrigt nicht. Es muss nicht auf dem schnell­sten Weg zum Orgas­mus kom­men.“

Unser Beruf­s­stand ist ver­net­zt mit Ärzten, Heil­prak­tik­ern und Ther­a­peuten, die unsere Klien­ten an uns ver­weisen, wo sie selb­st nicht weit­er­helfen kön­nen und dür­fen. Wir ver­ste­hen unsere Arbeit als Beitrag zu ein­er mod­er­nen, aufgek­lärten und fortschrit­tlichen sex­uellen Kul­tur, zu selb­st­bes­timmtem sex­uellem Ler­nen und zu ein­er höheren Leben­squal­ität, für die eine gesunde Sex­u­al­ität essen­ziell ist.

Die Aus­bil­dung nach den Qual­itäts­stan­dards unseres Ver­ban­des ist als berufsvor­bere­i­t­ende Aus­bil­dung anerkan­nt und bei den Aus­bil­dungsträgern daher nach §4 Nr. 21 a) bb) UStG umsatzs­teuer­be­fre­it. Hierzu gibt es ein entsprechen­des Urteil des Ver­wal­tungs­gericht­es Köln vom 13. Mai 2015 (24 K 7822/13). Zur Anwen­dung der Mas­sage in unseren Prax­en und Insti­tuten gibt es eben­falls ein­schlägige Gericht­surteile, die zum Beispiel mit Blick auf die Vergnü­gungss­teuer fest­stellen, dass es sich bei unseren Prax­en expliz­it nicht um bor­del­lähn­liche Ein­rich­tun­gen han­delt und dass die der Pros­ti­tu­tion oft zuge­ord­neten Milieuprob­leme in unserem Arbeits­feld nicht anzutr­e­f­fen sind (z.B. Urteil des Ver­wal­tungs­gericht­shofes Baden­Würt­tem­berg vom 03. Juli 2014).

7. Wer biete diese Arbeit an?

Anbi­eter der Tantra­mas­sage TMV®

• sind zu 90% weib­lich,

• sind fast auss­chließlich deutsch­er oder mit­teleu­ropäis­ch­er Herkun­ft,

• sind über­wiegend zwis­chen 30 und 55 Jahre alt,

• haben einen eher bürg­er­lichen Hin­ter­grund,

• sind über­durch­schnit­tlich gebildet (Abitur, Hochschu­la­b­schluss, etc.),

• kom­binieren die Tantra­mas­sage oft mit anderen (z.B. ther­a­peutisch bzw. heil­prak­tisch anerkan­nten) Behand­lun­gen,

• sind sehr gesund­heits­be­wusst,

• pfle­gen oft einen alter­na­tiv­en Lebensstil, inter­essieren sich z.B. für Yoga und Med­i­ta­tion,

• arbeit­en alleine oder in größeren Prax­en auf selb­ständi­ger Basis,

• arbeit­en i.d.R. in Teilzeit.

Selb­st­be­wusste Frauen und Män­ner, die eine anspruchsvolle und kosten­in­ten­sive Beruf­saus­bil­dung zur/ zum Tantra­masseurIn TMV® abgeschlossen haben, müssen nicht vor oder bei der Ausübung ihrer Arbeit geschützt wer­den. Sie entstam­men wed­er prekären Ver­hält­nis­sen noch sind sie bere­it, ihren Kör­p­er „anzu­bi­eten“ und sich zum Objekt der Erfül­lung sex­ueller Bedürfnisse zu machen.

Wir sind im Gegen­teil der Mei­n­ung, dass die Ver­bre­itung von tantrischem Wis­sen und eben auch der Tantra­mas­sage viel zu einem glück­licheren und tief­er­en Ver­ständ­nis und Kon­takt der Geschlechter untere­inan­der beitra­gen kann. Män­ner kom­men in der Regel mehr mit ihrem Kör­p­er und ihren Emo­tio­nen in Kon­takt, wer­den als sex­uelle Wesen ganzheitlich­er, während Frauen v.a. an sex­uellem Selb­st­be­wusst­sein gewin­nen. Frauen, die sich inten­siv­er mit dem Weg des Tantra beschäftigt haben, sehen sich mehr als autonome, selb­st­bes­timmte und aktive sex­uelle Wesen und treten entsprechend eigen­ver­ant­wortlich und selb­st­be­wusst auf.

Aus unser­er Sicht ist der Beruf der Tantra­masseurin also auch ein Beitrag zu ein­er gelun­genen Emanzi­pa­tion und Befreiung der Frau. Die Bedenken hin­sichtlich ein­er sex­uellen Unter­drück­ung und Objek­ti­fizierung von Frauen sind bezo­gen auf unser Tätigkeits­feld genau­so absurd wie die Ver­mu­tung krim­ineller oder mafiös­er Struk­turen.

8. Warum das ProstSchG unseren Beruf bedro­ht

Durch die sehr pauschale, undif­feren­zierte und unser­er Mei­n­ung nach rückschrit­tliche Def­i­n­i­tion von Pros­ti­tu­tion im ProstSchG sind nun auch Tätigkeits­felder betrof­fen, die nicht in bor­del­lähn­lichen Ein­rich­tun­gen stat­tfind­en und die mit ihrem ganzheitlichen, spir­ituellen oder kom­ple­men­tärmedi­zinis­chen Ansatz auch im all­ge­meinen Ver­ständ­nis sehr weit vom üblichen Bild der Pros­ti­tu­tion ent­fer­nt sind. Das spiegelt sich auch in zahlre­ichen Rück­mel­dun­gen von Kun­den und Kundin­nen, die auf das neue Gesetz mit Unver­ständ­nis reagieren. Denn auch wenn es — rein äußer­lich und sehr ober­fläch­lich betra­chtet — Gemein­samkeit­en zwis­chen Tantra­mas­sage sowie anderen For­men sex­ueller Kör­per­ar­beit und der Pros­ti­tu­tion geben mag, so sind die Unter­schiede doch essen­tiell.

Die Ausüben­den der Tantra­mas­sage TMV®, die Prax­is-Inhab­er, die Aus­bilder und auch die Empfänger dieser Mas­sage sehen ihr Han­deln in kein­er Weise im Kon­text der Pros­ti­tu­tion. Dies wider­spricht dem Selb­stver­ständ­nis unser­er Arbeit und unser­er Vision ein­er neuen und ganzheitlicheren sex­uellen Kul­tur eben­so wie dem Konzept der Tantra­mas­sage und dem äußeren und inneren Geschehen dabei.

Der Beruf der Pros­ti­tu­ierten ist nicht nur in Deutsch­land sozial stig­ma­tisiert. Wer als Pros­ti­tu­ierte oder Pros­ti­tu­iert­er bekan­nt oder erkennbar ist, wird entwed­er abgelehnt, bemitlei­det, nicht für voll genom­men oder unaufge­fordert mit „ther­a­peutis­chen“ Ratschlä­gen über­häuft. Fern­er gibt es mögliche juris­tis­che und wirtschaftliche Kon­se­quen­zen, z.B. im Bere­ich Sorg­erecht, Arbeit­srecht oder Mietrecht und möglicher­weise auch bei der Ein­reise in bes­timmte Län­der.

Auf­grund des mas­siv­en Kon­flik­tes im Selb­stver­ständ­nis, der Stig­ma­tisierung und auch der juris­tis­chen und wirtschaftlichen Kon­se­quen­zen ist zu befürcht­en, dass mas­siv Arbeit­splätze und Arbeit­skräfte aus dem Bere­ich der ser­iösen Tantra­mas­sage ver­loren gehen. Dies ist ins­beson­dere dort zu befürcht­en, wo es Schnittmen­gen mit ther­a­peutis­chen Mas­sagen und heil­prak­tis­chen Anwen­dun­gen gibt. Wir sehen darin einen Rückschritt für die sex­uelle Gesund­heit und Selb­st­bes­tim­mung in unser­er bish­er von Aufk­lärung und Emanzi­pa­tion geprägten Gesellschaft.

9. Unsere Forderun­gen

Im Inter­esse des Strebens nach ein­er offe­nen, aufgek­lärten, tol­er­an­ten und in jed­er Hin­sicht gesun­den Gesellschaft ist drin­gend dafür Sorge zu tra­gen, dass Anbi­eter von ser­iös­er und ganzheitlich­er sex­ueller Kör­per­ar­beit nicht unter die Regelun­gen des ProstSchG fall­en, sei es durch Änderun­gen am Gesetz oder durch beglei­t­ende Aus­führungs­bes­tim­mungen des Bun­des. Eine Möglichkeit hierzu wäre z.B. eine Aus­nahme für Mit­glieder bes­timmter Berufsver­bände (wie des TMV), die entsprechende Qual­itäts­stan­dards garantieren oder eine generelle Dif­feren­zierung zwis­chen zer­ti­fiziert­er ver­sus ungel­ern­ter sex­ueller Kör­per­ar­beit. Ersatzweise gibt es die Möglichkeit, den kom­mu­nalen Behör­den vor Ort eine Prü­fung und Entschei­dung im Einzelfall zu ermöglichen.

Wir fordern konkret:

• Zer­ti­fizierung statt Reg­istrierung.

• Zer­ti­fizierte Tantra­mas­sage bzw. ganzheitliche Mas­sage wird als eigenes Berufs­feld anerkan­nt, gefördert und gewürdigt.

• Per­so­n­en, die eine zer­ti­fizierte Tantra­mas­sage-Aus­bil­dung abgeschlossen haben oder sich in Aus­bil­dung befind­en, wer­den vom ProstSchG ausgenom­men.

• Betrieb­sstät­ten, in denen über­wiegend zer­ti­fizierte Anbi­eter arbeit­en, wer­den nicht anders behan­delt als Prax­en für Well­ness­mas­sage oder Phys­io­ther­a­pie.

10. Ausblick/ Vision

Wir brauchen kein Pros­ti­tu­ierten­schutzge­setz, son­dern ein „Sex­u­al­prak­tik­erge­setz“, also eine eigene beruf­s­rechtliche Regelung, die ähn­lich wie das Heil­prak­tik­erge­setz funk­tion­iert und die ganze Band­bre­ite der Tätigkeit­en abbildet. Die Ausar­beitung eines solchen Geset­zes sollte im Dia­log mit den jew­eili­gen Berufsver­bän­den und Aus­bildern geschehen, zum Beispiel dem

• Tantra­mas­sage-Ver­band (TMV)

• Berufsver­band der Gesund­heit­sprak­tik­erIn­nen, Prax­is­feld Sex­u­alkul­tur (BfG)

• Euro­pean Asso­ci­a­tion of Sex­o­log­i­cal Body­work­ers (EASB)

• Berufsver­band für ero­tis­che und sex­uelle Dien­stleis­tun­gen (BesD)

9 Kommentare

  1. Ina Wübbeler sagt:

    Ich denke, es ist sehr wichtig, dass auch viele Kli­entin­nen und Klien­ten, die aus Überzeu­gung die Tantra­mas­sage oder einen anderen Weg der ganzheitlichen Kör­per­ar­beit für ihr Wohlbefind­en oder der kör­per­lichen und seel­is­chen Heilung für sich in Anspruch nehmen, klar Posi­tion zu diesem The­ma beziehen und so dem TMV und seinen Mit­gliederin­nen und Mit­gliedern den Rück­en stärken. Sie alle hal­ten jet­zt den Kopf hin für ihre acht­same Dien­stleis­tung, die sie für uns erbrin­gen, unsere Gesund­heit an Kör­p­er, Seele und Geist zu stärken. Deshalb möchte ich hier und jet­zt zunächst ein­mal, als Kli­entin von Han­na Krohn den vier Per­so­n­en, die die Stel­lung­nahme des TMV ver­fasst haben, meinen großen Respekt, meine Anerken­nung und Dankbarkeit zum Aus­druck brin­gen.

  2. Ina Wübbeler sagt:

    Natür­lich ist es richtig, dass unsere Geset­zge­bung uns Bürg­erin­nen und Bürg­ern mit solchen Maß­nah­men und solchen Geset­zen grund­sät­zlich Schutz bietet. Unsere Geset­ze haben aber, mein­er Mei­n­ung nach, mit­tler­weile auch in der Quan­tität eine solche Dimen­sion angenom­men, dass sie oft nur noch halb­herzig und hin­derlch sind, die Durch­set­zung nicht kon­trol­lier­bar ist, nur noch fik­tiv sind und somit oft das Gegen­teil erre­ichen, was eigentlich bezweckt wer­den soll. Dieses ist mir in mein­er Selb­ständigkeit in einem völ­lig anderen Berufs­feld vor eini­gen Jahren auch passiert. Ich kon­nte mich der Behör­den­willkür und der des­o­lat­en Umset­zung nicht mehr entziehen, habe großen wirtschaftlichen Schaden davon getra­gen, von dem ich mich kaum noch wieder erholen kann und bin daraufhin gesund­heitlich in einem BuroOut gelandet. Ich habe lange benötigt, mich davon zu erholen und für mich die Tantra­mas­sage als eine große Ruhe- und Kraftquelle ent­deckt, um mich wieder stärken lassen zu kön­nen, Äng­ste ab- und neues (Selbst-)Vertrauen aufzubauen und mit mir sel­ber wieder in Kon­takt zu kom­men. Der sex­uelle Aspekt trat dabei zunächst völ­lig in den Hin­ter­grund. Die ganzheitliche Ther­a­pie mit ein­er klas­sis­chen Masseurin vor Ort, mein­er Heil­prak­tik­erin und Han­na Krohn als unglaublich kom­pe­tente, liebevolle und acht­same Beglei­t­erin in der Tantra- und Frauen­mas­sage brin­gen mir den Erfolg, den ich so lange für meine Stärkung und mein Wohlbefind­en her­beige­sehnt habe. Mein Hausarzt kon­nte in dieser Hin­sicht eher nichts gravierend Rrel­e­vantes für mich tun. Ger­ade deshalb bin ich so entrüstet über das unacht­same Vorge­hen unseres Staates. Ich wün­sche allen ganzheitlich täti­gen Dien­stleis­tern im Gesund­heitssek­tor viel Kraft und Durch­hal­tev­er­mö­gen, sich in ihrem Berufs­feld ganz klar zu posi­tion­ieren und uns Klien­ten genü­gend Rück­grat, uns klar zu unseren Bedürfnis­sen zu äußern und unseren tollen Ther­a­peutin­nen und Ther­a­peuten so den Rück­en zu stärken. Danke, liebe Han­na an dich, deine tollen Kol­legin­nen und Kol­le­gen und dem Ver­band für all das, was ihr für uns, auch über die Mas­sage und men­schliche Begleitung hin­aus, bere­it seid auf euch zu nehmen.

    • Hanna sagt:

      Liebe Ina,
      vie­len Dank für deine Unter­stützung und dafür, dass du deine Geschichte hier teilst, um unser Anliegen zu unter­stre­ichen!

      • Ina Wübbeler sagt:

        Liebe Han­na,
        durch deine wun­der­volle Arbeit und unsere guten Gespräche ist so viel Kraft zurück­gekom­men, dass ich nun wieder The­men die mir wichtig sind, mit nach außen tra­gen kann, Das war lange nicht mehr der Fall. Ich fände es repek­t­los und unehrlichr dir gegenüber, wenn ich jet­zt dazu schweigen würde.

  3. Claudia Harfst sagt:

    Ich finde eure Stel­lung­nahme sehr gut geschrieben, so dass sie auch von Amtsträger/innen ver­standen und nachvol­l­zo­gen wer­den kann, die noch keine tantrischen Erfahrun­gen gemacht haben. Ich drücke euch und uns allen die Dau­men, dass sich die Ver­nun­ft und die Dif­feren­zierung hier durch­set­zt für eine selb­st­bes­timmte, pos­i­tive, ver­ant­wor­tungsvolle und wertschätzende Sex­u­al­ität. Vie­len Dank für eure Arbeit!

  4. Hanna sagt:

    Diesen Brief hat eine Kli­entin gestern an das Bun­des­fam­i­lien­min­is­teri­um geschickt. Sie bat mich, ihn hier zu veröf­fentlichen:

    Das Pros­ti­tu­tion­s­ge­setz ist verän­dert und in Kraft getreten. Sicher­lich gut gemeint, um (ver­meintlichen) Schutz zu bieten, zu gewähren, zu leis­ten; jedoch wäre ein Aus­tauch mit Ver­bän­den, welche auf dem Körperarbeit“sektor” aktiv sind, sin­nvoll gewe­sen.

    Für mich als trau­ma­tisierte Frau ist der geschützte Raum/Rahmen im Set­ting ein­er Tantra­mas­sage eine Möglichkeit wieder ein eigenes Kör­perempfind­en zu entwick­eln oder zumin­d­est die Hoff­nung darauf zu haben.

    Dem­nach würde ich in Zukun­ft zu ein­er Pros­ti­tu­ierten gehen, was in meinen Augen völ­lig absurd ist. Nicht, dass ich nun zu ein­er reg­istri­erten Pros­ti­tu­ierten gehe, son­dern die Beze­ich­nung, welche das Pros­ti­tu­tion­s­ge­setz nun vorgibt.

    Ich denke, dass viele zer­ti­fizierte Tantra­masseure und Tantra­masseurin­nen jet­zt ihr Ange­bot zurückziehen wer­den, so dass eine sehr große Lücke entste­ht.

    Sex­u­alther­a­pie ist mit­tler­weile anerkan­nt, der Bedarf der Klien­ten und Kli­entin­nen ist riesig. Ein­mal darüber nach­denken oder vielle­icht sog­ar nachbessern, ob nicht eine fundierte zer­ti­fizierte Tantraaus­bil­dung in Zukun­ft unter Sex­u­alther­a­pie fall­en kann, so dass die Reg­istrierung ent­fällt.

    Selb­st in Wikipedia gibt es einen fundierten Ein­trag zu lesen.

    P.S. Irgend­wann ist Frau im Rah­men der Trau­mather­a­pie aus­ther­a­piert. Die eigene Sex­u­al­ität wird aber kaum bis gar nicht beachtet. Sprich auf ein­er Seite gesun­det, auf der anderen Seite wird Frau mit der eige­nen ver­murk­sten Sex­u­al­ität, den Gefühlen und auch der “sex­uellen” Lust alleine gelassen. Für mich wäre inter­es­sant zu wis­sen, welchen kör­perther­a­peutis­chen Ansatz Sie im Bun­desmin­is­teri­um nun für mich sehen?”

    • Ina Wübbeler sagt:

      Das hat großen Respekt ver­di­ent. Nur so kön­nen wir gemein­sam ein Zeich­nen set­zen, Aufmerk­samkeit und Verän­derung schaf­fen.

  5. Annett Oehme sagt:

    Liebe Han­na.
    Ich bin Anukan­masseurin (sinnliche Heil­mas­sage mit sex­u­asl­her­a­pheutis­chen Ansatz). Sie ist mit Tantra­mas­sage, wie Du sie beschreib­st zu ver­gle­ichen.
    Momen­tan arbeite ich in einem Erotik-/Tantrastu­dio. Zum einem um die Erfahrung zu machen und zum anderem um das zu 99% männliche Pub­likum für den tantrischen Ansatz zu sen­si­bil­isieren und einzu­laden, Erfahrun­gen jen­seits von Triebab­fuhr zu machen.

    Nicht alle meine Kol­legin­nen teilen diesen Ansatz. Ein span­nen­des Lern­feld. Den­noch finde ich auch diese Arbeit wertvoll.
    Und alle lei­den unter der Ungewis­sheit. Wir fühlen uns durch dieses Gesetz
    aus­ge­bremst. Diese Ungewis­sheit frisst Energie die in die eigentliche Arbeit fliessen kön­nte.

    Ein Kunde machte mich auf Deinen Blog­a­r­tikel aufmerk­sam.
    Ich bin dankbar für Dein Engage­ment. Mit viel Klarheit, Sachver­stand und Herzblut geschrieben.
    Danke.

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