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Wer bin ich? Nach der Ausbildung ist vor der Ausbildung.

Diesen Text habe ich vor vier Jahren geschrieben.
Er han­delt vom Abschluss mein­er Tantra­mas­sage-Aus­bil­dung und dem unbe­que­men Gefühl, wieder ganz am Anfang zu ste­hen. Er bildet den let­zten Teil der Serie über meine Erfahrun­gen und Gefüh­le während dieser wichti­gen Phase meines Lebens. Warum ich ihn hier veröf­fentliche? Weil ich dir Mut machen möchte. Mut zur Verän­derung.

Foto: pri­vat

Let­zte Woche war ich beim vierten und let­zten Sem­i­nar mein­er Tantra­mas­sage-Aus­bil­dung. Es war Zeit, das Gel­ernte zu ver­tiefen und uns vor Augen zu führen, welchen Weg wir im ver­gan­genen Jahr gegan­gen sind. Wo wir ste­hen und wohin wir wollen. „Wer bin ich?“ war die zen­trale Frage und sie führte mich näher an meine Abbruchkante als alle anderen Her­aus­forderun­gen, die ich in den ver­gan­genen Monat­en zu meis­tern hat­te, als es galt, immer neue Teile meines Kör­pers für Berührun­gen zu öff­nen. Viele alte Schat­ten taucht­en in mir auf und ich hat­te zum ersten Mal Prob­leme, vor der Gruppe frei zu sprechen. Mir fehlten die Worte und die Stimme.

Ich bin der Wassertropfen, der alle Far­ben in sich trägt.
Ich bin der Vulkan, der hun­dert Jahre schläft und dann Feuer speit.
Ich bin der Berg, auf dessen Gipfel immer Schnee liegt.

Darauf war ich nicht vor­bere­it­et. Ich fuhr so gelöst und gestärkt wie noch nie von zu Hause los, nach­dem in den Tagen zuvor eine Aus­bil­dungskol­le­gin zu Besuch gewe­sen war. Wir hat­ten im Garten gear­beit­et und den Wagen zur Werk­statt gebracht, wir hat­ten Regale aufge­baut und meine Büch­er eingeräumt. Wir hat­ten den Geburt­stag mein­er ältesten Tochter zusam­men gefeiert und sie hat­te meine ganze Fam­i­lie ken­nen­gel­ernt. Es hat­te mir gut getan, meinen All­t­ag mit ihr zu teilen und abends mit ihr in dem großen Bett zu liegen und mit fachkundi­gem Blick und wach­sender Erre­gung Mas­sage­filme von Josef Kramer und Annie Sprin­kle anzuguck­en.

Ich bin eine Frau.
Ich bin Mut­ter, Tochter, Enkel­tochter und Fre­undin.
Ich bin eine Schreiberin.
Ich bin eine Berührungskün­st­lerin.

Bei strahlen­dem Früh­lingswet­ter macht­en wir uns mit ihrem Auto auf den Weg und über­querten den bre­it­en Fluss dies­mal mit der Fähre. Wie König­in­nen standen wir an der Rel­ing und grüßten die Wasservögel, die sich nicht stören ließen von dem großen Schiff, das laut­los durch die flache Tide dem Ufer zu trieb. Ich dachte, ich wäre unan­greif­bar, wun­sch­los glück­lich und offen für alles, was da kom­men würde, doch das war eine Illu­sion. Ich hat­te Hoff­nun­gen und Wün­sche und das hätte mir klar sein kön­nen, denn aus welchem anderen Grund hätte ich son­st wieder das große Lak­en in meine Reise­tasche pack­en sollen.

Ich bin das Schw­ert.
Ich bin die Schlange.
Ich bin der Orkan.
Ich bin der Duft ein­er Blüte.

Das Gelände des Sem­i­narhaus­es war auch zu dieser Jahreszeit wun­der­schön, wil­dro­man­tisch und beseelt, die gepflasterten Wege gesäumt von Primeln und Tulpen, die Beete gepol­stert mit Schar­bock­skraut, die Luft vib­ri­erend von Sum­men und Brum­men, Zwitsch­ern und Tschilpen. Ich hat­te zum ersten Mal ein Einzelz­im­mer gebucht und machte mich mit Andacht daran, das Bett zu beziehen und den Schrank einzuräu­men. Ein Zim­mer für mich allein – was für ein Luxus! Jedes Mal, wenn ich die Tür zu meinem Reich geöffnete habe, habe ich mich zu dieser Entschei­dung beglück­wün­scht, obwohl ihre Kon­se­quen­zen mich über­fordert haben.

Ich bin die, die die andere Wange hin­hält.
Ich bin eine Gren­zgän­gerin und ein Freigeist.
Ich bin das Tier, das gestre­ichelt wer­den will und sich ver­steckt.

Foto: pri­vat

Der Hin­ter­grund war, dass ich ein paar Wochen zuvor einen Artikel über das männliche und das weib­liche Prinzip gele­sen hat­te. Grob gesagt ist das männliche Prinzip „Aktiv­ität“, „Han­deln“, „auf etwas zuge­hen“, das weib­liche Prinzip dage­gen „Pas­siv­ität“, „Emp­fan­gen“, „etwas anziehen“. Ich wollte ver­suchen, die Dinge weniger zu steuern und stattdessen abzuwarten, was passiert wenn ich nichts tue, wen oder was meine Weib­lichkeit anzieht. Vielle­icht sollte ich nicht alles glauben, was ich lese, vielle­icht brauche ich mehr Übung oder vielle­icht hat­te ich falsche Vorstel­lun­gen, jeden­falls habe ich vor allem eine alte Bekan­nte ange­zo­gen: die Ein­samkeit.

Ich bin die Ama­zone mit dem Bogen in der Hand.
Ich bin die, die um Mit­ter­nacht den Ball ver­lässt und keinen Schuh ver­liert.
Ich bin der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach.

Ich fühlte mich an Mod­ul 1 erin­nert, wo ich alleine in meinem (Drei­bett-) Zim­mer lag und mich fragte, was ich schon wieder falsch gemacht hat­te, warum ich nicht dazuge­hörte, warum die Par­ty immer dort stieg, wo ich nicht war und warum mich eine gläserne Mauer von all dem zu tren­nen schien, wonach ich mich so sehr sehnte und was zum Greifen nah und doch unerr­e­ich­bar schien: Berührung, Sinnlichkeit, Nähe, Kör­perkon­takt, Leichtigkeit, Frei­heit, Aben­teuer, Ekstase. Die Tage ver­strichen und irgend­wann ließ ich alles los, woraufhin alles gle­ichzeit­ig zu mir kam, wie von selb­st, als wäre vorher eben Ebbe gewe­sen und dann Flut. Ganz ein­fach.

Die Kun­st beste­ht wohl darin, nicht zu wollen, son­dern zu sein, egal ob männlich oder weib­lich, aber dies­mal gelang mir das nur für kurze Momente. Ich fühlte mich ver­loren in den halbbe­wussten Zustän­den, in die wir in den Med­i­ta­tio­nen und Übun­gen geführt wur­den, nicht „gebor­gen im Unge­bor­ge­nen“**. Ich suchte nach Halt und fand nicht genug davon in mir sel­ber. Mein Wegge­fährte hat mir gefehlt, mein eng­ster Ver­trauter, der Hüter meines Schlafes. Unsere Ver­bun­den­heit war fra­g­los, aber sie roch nach einem Abschied, für den mein wehes Herz nicht bere­it war. So schlich ich in meinem cre­me­far­be­nen Sei­den­nachthemd hin und her über den kalten Flur und lag doch jede einzelne Nacht alleine in meinem Bett und wartete auf den Schlaf.

Ich bin die Liebe.
Ich bin die Quelle, der Fluss und das Meer.
Ich bin ein Kind auf dün­nem Eis.
Ich bin der Fels in der Bran­dung.

Der Höhep­unkt und Abschluss unser­er Aus­bil­dung bestand aus einem Rit­u­al, zu dem wir in Weiß gek­lei­det erscheinen soll­ten. Ich fühlte mich wie eine Braut in dem fes­tlichen Kleid und der Spitzenun­ter­wäsche. Dazu trug ich ein Stück Fam­i­lien­schmuck, das alte Granat­col­lier, das mir meine Mut­ter zu mein­er Hochzeit geliehen und zu Geburt meines ersten Kindes geschenkt hat­te. Wir soll­ten in den Tagen zuvor einen Satz find­en, der aus­drückt, was unser Geschenk an die Welt ist, wofür wir uns mit Freuden auf den Weg machen. Mir war dabei ein Zitat von Anaïs Nin einge­fall­en: „And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blos­som.“
Als ich meinen Satz vor den anderen aussprach, als ich sagte: „Ich verbinde Frauen mit ihrer weib­lichen Kraft und bringe sie zur Blüte“, da spürte ich an dem Kloß in meinem Hals, dass ich in mir sel­ber noch viele Blät­ter zu öff­nen habe.

Ich bin die, die jed­er sieht und kein­er erken­nt.
Ich bin die Wüste, end­los und öde.
Ich bin der hell­ste Stern und die fin­stere Nacht.

Foto: pri­vat

Die Rück­fahrt kam mir end­los vor. Wegen Gleis­bauar­beit­en musste ich fünf­mal umsteigen. Irgend­wann dachte ich, ich würde zusam­men­brechen unter der Last mein­er bei­den schw­eren Gepäck­stücke. Ich fühlte mich, als hätte ich eine Woche lang nicht geschlafen, nicht gegessen, nicht getrunk­en. Mein Hunger war nicht gestillt und mein Akku nicht aufge­laden.

Ich bin nicht zusam­menge­brochen. Ich habe meine Tasche geschul­tert und den Kof­fer gehoben, ich habe ihn bes­timmt hun­dert Trep­pen rauf und runter getra­gen und durch die Hun­de­pisse am Haupt­bahn­hof gezo­gen. Als ich die let­zten Meter durch meinen Garten zurück­legte sah ich, dass die Geburts­bäume von allen vier Kindern blüht­en. Meine kleine Tochter empf­ing mich an der Tür und erspähte sofort die neue Kette um meinen Hals mit dem sil­ber­nen Anhänger. Ich erlaubte ihr, ihn zum Schlafen unter ihr Kopfkissen zu leg­en und am näch­sten Mor­gen zur Schule zu tra­gen.

Ich bin die Lust und der Schmerz, die Hingabe und das Ver­lan­gen.
Ich bin im Geist ein Adler, im Kör­p­er ein Delfin und in der Seele ein Ein­horn.
Ich bin so leicht wie schw­er.

Ich bin in den let­zten drei Jahren einen weit­en Weg gegan­gen und das The­ma Sex­u­al­ität hat mich dabei stets begleit­et. Es kam mir lange wie ein Stör­feuer vor, bis ich begriff, dass der Weg zu mir selb­st genau durch dieses Feuer, durch mein Feuer hin­durch führt. „Es gibt erfülltes Leben trotz viel­er uner­füll­ter Wün­sche“ hat­te meine Ther­a­peutin vor 1,5 Jahren Diet­rich Bon­ho­ef­fer zitiert, als ich ihr sagte, wie sehr ich eine erfüllte Sex­u­al­ität ver­mis­sen würde und dabei milde gelächelt. Ähn­lich war es in der Paarther­a­pie, in der psy­cho­so­ma­tis­chen Klinik und in der Kör­perther­a­piegruppe. „Ja, ja, Sex­u­al­ität ist wichtig.“ hieß es besten­falls und damit war ich dann genau­so schlau wie vorher. Als ich vor gut einem Jahr zum ersten Mal auf das Wort „Tantra­mas­sage“ stieß und Videos sah, auf denen nack­te Men­schen andere nack­te Men­schen am ganzen Kör­p­er auf sinnliche und doch inte­gere Weise massieren, als ich las, dass eine zer­ti­fizierte Aus­bil­dung zu diesem Beruf führt und wie viel Heilung er in unsere berührungsarme und kör­per­feindliche Kul­tur brin­gen kann, war ich eupho­risch. Ich wusste sofort, dass mir so eine Mas­sage helfen und dass diese Aus­bil­dung für mich der Schlüs­sel zu ein­er beru­flichen Per­spek­tive sein würde.

Ich bin ohne Alter.
Ich bin die, die den Weg ken­nt und immer wieder von vorne anfängt.
Ich bin die, die mit leeren Hän­den kommt und mit leeren Hän­den geht.

Und so war es auch. Diese zehn Monate haben mich und mein Leben verän­dert wie kaum etwas anderes zuvor. Hier wurde bei­des geschätzt: mein klares Bewusst­sein und meine sex­uelle Energie. Hier wurde ich in mein­er Weib­lichkeit verehrt und ange­fasst als die Frau die ich bin und das eine war so wertvoll und heil­sam wie das andere. Ich wurde wed­er als Objekt behan­delt noch auf einen Sock­el gestellt, meine Spir­i­tu­al­ität war so heilig wie meine Sex­u­al­ität. Ich hat­te vielfältige Kon­tak­te zu den Män­nern und Frauen, ich habe mich an ihnen gerieben und bin mit ihnen gewach­sen, ich habe sie berührt und mich von ihnen berühren lassen, ich habe mich ver­schenkt und bin beschenkt wor­den. Ich habe jeden Kelch zur Neige getrunk­en, auch wenn mir die Luft knapp wurde. Ich habe Gefall­en an Intim­ra­sur und Nag­el­lack gefun­den, ich rede in großer Runde über die G‑Fläche und weib­liche Ejaku­la­tion als gin­ge es um Pas­ta-Rezepte und Urlaub­stipps. Ich habe die Unter­schiede zwis­chen Gipfel- und Tal‑, kli­toralem, vagi­nalem und Mut­ter­mund-Orgas­mus am eige­nen Leib erfahren, ich spüre meine Chakren und die Kun­dali­ni-Energie in meinem Kör­p­er. Ich bin ganz.

Ich bin gröss­er als mein Leben.
Ich bin das Licht, der Strahl, das Auge.
Ich bin eine Him­mel­stänz­erin.

In ein paar Tagen fängt meine Aus­bil­dung in Frauen­mas­sage und Sex­u­al­coach­ing an.


** Der Aus­druck „gebor­gen im Unge­bor­ge­nen“ stammt aus diesem Gedicht:

Ich suche nicht – ich finde.
Suchen – das ist Aus­ge­hen von alten Bestän­den und ein
Find­en-Wollen von bere­its Bekan­ntem im Neuem.
Find­en – das ist das völ­lig Neue!


Das Neue auch in der Bewe­gung. Alle Wege sind offen und
was gefun­den wird, ist unbekan­nt. Es ist ein Wag­nis, ein
heiliges Aben­teuer!


Die Ungewis­sheit solch­er Wag­nisse kön­nen eigentlich nur
jene auf sich nehmen, die sich im Unge­bor­ge­nen gebor­gen
wis­sen, die in die Ungewis­sheit, in die Führerlosigkeit
geführt wer­den, die sich im Dunkeln einem unsicht­baren
Stern über­lassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht
– men­schlich beschränkt und eingeengt – das Ziel
bes­tim­men.


Dieses Offen­sein für jede neue Erken­nt­nis im Außen und
Innen: Das ist das Wesen­hafte des mod­er­nen Men­schen,
der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des
Gehal­ten­seins im Offen­wer­den neuer Möglichkeit­en
erfährt.

Pablo Picas­so


2 Kommentare

  1. Marie Om sagt:

    wow, wie du schreib­st, ist sehr klar.
    Frage ein­fach zum Ver­ständ­nis,
    Was kostet ein Stück Frei­heit & Liebe als Aus­bil­dung bei dir, oder Tantra Sitzung.
    Ich hat­te mal vor 10.Jahre in Berlin eine Tantra Aus­bil­dung , die ich abge­brochen habe.
    Es waren nur Pros­ti­tu­ierte ( ältere) und merk­würdi­ge, die im Leben nicht viel Glück hat­ten eine nor­malen gesunde, Liebevolle Sex­u­al­ität zu erleben, mir war das fremd, wollte etwas mit SPIRIT erleben, lei­der empfinde ich Tantra in Deutsch­land sehr destruk­tive, mit fehlt es an wahre Schön­heit, Liebe und Frei­heit, entwed­er zu gierig oder, zu kaputt schon, mit solchen Leuten zu arbeit­en, was denken die… Kön­nen Sie mir ein paar Tips geben, Tausend Dank in voraus

    • Hanna sagt:

      Liebe Marie,
      ich bilde nicht sel­ber aus. Ich bin Coach­ing-Frau für die Per­len­tor-Aus­bil­dung bei Nhanga Grunow, deren Aus­bil­dung kann ich dir empfehlen und auch Tantra­Con­nec­tion dort habe ich meine Tantra-Mas­sage Aus­bil­dung gemacht.
      Die Preise für meine Mas­sagen find­est du auf mein­er Home­page.
      Lieben Gruß, Han­na

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